Normannen

Die von uns heute unter dem Begriff ‘Normannen’ verstandenen Volksgruppen begannen ab dem 8. Jahrhundert sich über den Seeweg im heutigen Europa auszubreiten und erreichten die Hochzeit ihrer Präsenz am Ende des 11. und im 12. Jahrhundert. Bis dahin war es ihnen gelungen, sowohl zahlreiche strategisch wichtige Posten in Europa, als auch eigene Herrschaftsgebiete zu errichten. Die folgende Karte zeigt die bedeutensten Territorien unter normannischer Herrschaft am Ende des 11. Jahrhunderts.

Normannische Gebiete im 11. Jahrhundert

Normannische Gebiete im 11. Jahrhundert

Ursprung

Bei Ur-Normannen handelt es sich um nordgermanische Seefahrer, die im späten 8. Jahrhundert bis ins 11. Jahrhundert von Nordskandinavien und Dänemark an die Nordseeküsten fuhren, dort an Land gingen und verschiedene Unternehmungen starteten. Im Wesentlichen waren es Raubzüge, nach denen die Seefahrer beutebeladen wieder in die Heimat zurückkehrten.

Die nordgermanischen Normannen kamen zunächst an die Küste der britischen Inseln und an das gallische Festland. Später kamen die Küste Frieslands (810), die spanische Südküste und Marokko (844) hinzu. 859 gelangten sie ins Mittelmeer, wo sie die Küsten Spaniens, Südgalliens und einige Stellen Italiens plündernd heimsuchten. Seit 840 fuhren sie auch flussaufwärts ins Landesinnere, z.B. 856 nach Orléans. Zu dieser Zeit begannen sie auch, weitere Strecken zu Lande zu überwinden. Den Mittelmeerraum erreichten sie dann auch über die Ostsee und die osteuropäischen Flussläufe. So kamen sie schliesslich bis nach Konstantinopel.

Als die Normannen schliesslich nicht mehr jedes Jahr nach ihren Raubzügen heimkehrten, sondern in der Fremde Winterlager errichteten, entstanden so allmählich Herrschaftsbildungen. Die folgende Karte zeigt die normannischen Herrschaftsgebite im 11. Jahrhundert

Nordfrankreich (Normandie)

Die Normandie ist eine Landschaft in Nordwestfrankreich am Unterlauf der Seine, die ab der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts eine intensive Besiedlung durch die Wikinger erfuhr. Im Jahr 911 hatte der französische König Karl der Einfältige einer Gruppe unter ihrem Jarl Rollo erlaubt, sich in Nordfrankreich niederzulassen, mit dem Gedanken, dadurch die Küste vor weiteren Überfällen zu schützen. Der Gedanke erwies sich als richtig, aus den Wikingern der Region wurden die Normannen, aus dem Landstrich die Normandie.

Rollo und sein Nachfolger Wilhelm Langschwert eroberten bald weitere angrenzende Gebiete. Das ihnen überlassene Gebiet erweiterten sie nach Westen durch Annexion des Bessin, des Cotentin und der Kanalinseln. Die Normannen übernahmen schnell die Kultur der einheimischen Bevölkerung, ließen sich taufen und heirateten in Bevölkerung ein. Ganz allmählich verdrängte die kriegerische normannische Oberschicht den fränkischen Adel. In der Folge entwickelten die Normannen eine eigenständige kulturelle Identität, die sie sowohl von ihren skandinavischen Vorfahren als auch von ihren frankogallischen Nachbarn unterschied.

Die Christianisierung schritt schnell voran und die Kirche wurde eine Quelle der Identität. Um 1000 kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, indem die normannischen Herzöge den Bauern Privilegien gewährten und die Leibeigenschaft ablehnten. Rollo und seine Nachfolger bauten in der Normandie einen modernen Lehnsstaat auf. Rollo verschmolz das nordische Gefolgschaftsrecht mit dem fränkischen Lehnsrecht. Er führte eine neue Form der Vasallität ein, die ligisch genannt wird und dem Vasallen größte Freiheiten einräumt, ihm sogar Bündnisse mit Nachbarn ermöglicht, ohne die Lehnstreue zu beeinträchtigen.

Königreich England

Im 11. Jhd. kam es nach dem Tod Eduard des Bekenners 1066 zu Erbstreitigkeiten um die Thronfolge des angelsächsichen Englands. Zunächst wurde der Angelsachse Harold Godwinson von den Großen des Reiches als neuer König anerkannt. Wilhelm, Herzog der Normandie, dem die Krone zuvor von Eduard versprochen worden war, begann sofort nach der Wahl mit Vorbereitungen für Feldzüge nach England. Ebenso der König von Norwegen, Harald Hardråde, welcher als erster die Insel erreichte und im Spätsommer des Jahres 1066 mit 300 Langschiffen in Yorkshire landete. Bei der Schlacht von Stamford Bridge in Nordengland am 25. September 1066 schlug Harold diese Invasionsarmee zurück.

Am Morgen des 28. September landeten die Normannen dann unter William im Südwesten bei Pevensey. Harold musste sein von der Schlacht geschwächtes Heer in Eilmärschen dem neuen Angreifer entgegen führen. Am 14. Oktober 1066 unterlagen die englischen Truppen in der Schlacht von Hastings, bei der Harold und seine Brüder fielen. Danach stieß Wilhelm kaum noch auf Widerstand. Am Weihnachtstag 1066 wurde er in Westminster zum englischen König gekrönt.

Der Sieg von Wilhelm führte zur Einführung des effektiven Lehnssystems der Normannen. Eine kleine normannische Oberschicht ersetzte den eingesessenen Adel fast vollständig. Wilhelm befahl die Erstellung des Domesday-Buches, welches Steuern der gesamten Bevölkerung, ihrer Ländereien und Besitztümer erfasste. Anders als in vielen anderen europäischen Ländern setzte sich mit Wilhelm das englische Königtum als alleiniges Zentrum des Feudalsystems durch. Letztlich befand sich der gesamte Grundbesitz auf der Insel in der Hand des Königs, der ihn an seine Lehnsnehmer weitergab, die wiederum ihnen untergeordnete Lehnsnehmer hatten. Grundherrschaft aus eigener Macht der Fürsten wie etwa im Heiligen Römischen Reich gab es nicht. Auch die Verwaltung, Sprache und das Rechtssystem wurde von den Normannen neu geregelt: Enland bekam ein neues Gesicht.

Die unmittelbare Herrschaft des Hauses von William dauerte bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts an. Mit Stephan, dem Enkel Williams, endete die als strikt normannisch zu bezeichnende Linie und die Ära des Hauses Plantegenet brach an, als Heinrich der II. den Thron bestieg und sich unter seiner Herrschaft das neue Angevinischen Reich bildete.

Süditalien (Apulien, Kalabrien, Sizilien)

In der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts war es einer Gruppe von Normannen gelungen, Süditalien von den Langobarden und den Byzantinern zu erobern. Robert Guiskard, der Führer der Normannen, war 1059 von Papst Nikolaus II. gegen Tributzahlungen und die Verpflichtung, keine Oberhoheit von Byzanz anzuerkennen, mit soviel von Apulien, Kalabrien und Sizilien belehnt worden, wie er erobern konnte.

Sizilien war nach dem Aussterben der Kalbiten 1053 in mehrere kleine Fürstentümer zerfallen, die unter sich zerstritten waren. Einer der Fürsten rief nun die Normannen zu Hilfe. Auf diesen Hilferuf hin setzte Robert Guiskards jüngerer Bruder Roger 1061 nach Sizilien über und eroberte Messina. Bis 1064 konnte er den Nordosten Siziliens unter seine Kontrolle bringen. Nach Rogers Rückkehr nach Kalabrien zum Ausheben weitere Soldaten und zum Ausbau einer Flotte unternahmen die Brüder weitere Eroberungszüge nach Sizilien. 1072 wurde Palermo erobert. Robert Guiskard kehrte nach Apulien zurück und überließ seinem Bruder die restliche Eroberung der Insel und den Aufbau einer Regierung. Er ernannte ihn als Roger I. zum Graf von Sizilien und Kalabrien. Die weitere Eroberung Siziliens erwies sich als schwierig und langwierig. Erst im Jahre 1088 fiel das für die Eroberung des Binnenlands wichtige Enna und 1091 der letzte muslimische Stützpunkt auf Sizilien, die Stadt Noto.

Es folgt eine Reihe normannischer Könige, die mit König Wilhelm II. endet. Er war der letzte der normannischen Könige auf Sizilien und verstarb ohne leiblichen Erben. Damit endete die normannische Dynastie.

Veranstaltungen


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