Hier ein kleiner Bericht über den Auftritt des Contingents auf dem Museumsuferfest am 27. – 29. August 2010 für das Archäologische Museum Frankfurt am Main.
Im Vorfeld war unsere Aufgabe klar umrissen: ca. 20 Personen sollten für das Archäologische Museum das Museumsuferfest bereichern. Aufgeteilt in zwei Gruppen – Militär am Mainufer, Frauen und Handwerker im bzw. am Museum – sollte so den Besuchern des Festes ein Eindruck vom Leben im 11.Jh. vermittelt werden. Zwei Vorführungen am Tag ergänzten unsere Permanent-Displays. Zum einen wurde von Frau Gerlind zum Thema „Mode und Kleidung des Adels und der Niederen im 11. Jh.“ referiert und Comes Sizzo und Herr Robert Comte D’Eu moderierten die Kampfshows. Doch nun mal von Anfang, denn entgegen den bisherigen eintägigen Auftritten im Museum waren wir diesmal drei Tage vor Ort…
Am Freitagmorgen lieferte Herr Heinrich schon mal die Nahrungsmittel, darunter knapp 6kg Schinken, 6kg Käse, 20kg Äpfel, knapp 16kg Brot, über 90 Gurken (keine Salatgurken sondern die, die man auch einlegen kann) sowie Rettiche, Mairüben und Kohlrabi. Mittags trafen dann die ersten Teilnehmer bei Herrn Heinrich ein und als dann alle gemeldeten Contingentler anwesend und das Material verlastet war ging es los zum 10 Autominuten entfernten Museum. Urs, der mit der Bahn angereist war, erwartete uns schon und umgehend wurde mit ausladen und aufbauen begonnen. Leider spielte das Wetter nicht mit und so konnten die auf dem Museumsrasen geplanten Handwerker-Displays nicht dort aufgebaut werden, sondern mussten auf die Treppe und in das Foyer ausweichen.
Frau Gerlind war unter der Woche mit starkem Husten und Halsschmerzen außer Gefecht gesetzt und schonte sich am Freitag noch um am Samstag und Sonntag auf alle Fälle fit zu sein. Daher übernahm Vivelin die Rolle der edlen Dame, was ihr, zumindest anfänglich, sichtlich unangenehm war, nicht nur wegen der Angst, die teuren und edlen Gewänder zu beschmutzen.
Derweil wurde am Ufer ein Zelt und ein Sonnensegel (naja, eher Regenschutz) aufgebaut. Dort sollten die Krieger lagern und ihre Kampfshows durchführen. Leider war das durchnässte Gras so rutschig, dass es nicht gerade eine Freude war. So kam es zu einem kleinen Zwischenfall, der aber vom betroffenen Zuschauer mit Humor genommen wurde. Er sollte Herrn Heinrich beim Aufbrechen des Schildwalls helfen und ihn von Hinten anschieben. Dabei muss er wohl ausgerutscht sein und hat sich die Nase und Stirn am Kettenhemd aufgerissen. Er blutete sehr stark und wurde vom Herrn Robert zum Rettungswagen gebracht und danach im Krankenhaus gesäubert und versorgt. Später besuchte er die Kämpfer nochmal und zeigte sich bester Laune. Als kleine „Entschädigung“ schenkte Herr Robert ihm eine kleine Replika-Münze, worüber er sich sehr freute. Er denkt übrigens inzwischen darüber nach, eine Darstellung im Contingent anzustreben.
Vorher waren die Kämpfer von Herrn Heinrich mit ihrer Essenration versorgt worden Aus der Kiepe in den Helm wanderte alles, was vorher schon ins Museum geschafft worden war. Auch in den folgenden Tagen für das Publikum eine schöne Szene, genauso wie die würfelnden, essenden, trainierenden oder faulenzenden Krieger. Eine ziemlich surreale „Zeitinsel“ inmitten von Fischbuden, Technobühnen, Multikulti-Bands und dem afrikanischen Markt.
Nach Feierabend tingelten einige noch über das Fest, andere fuhren nach Hause und Herr Heinrich machte sich auf zur Nachtschicht.
Nach einem anständigen Frühstück ging es wieder zum Museum. Morgens um 10 Uhr war weder am Ufer noch im Museum selbst die Hölle los, dies sollte sich aber im Laufe des Tages ändern. Das Wetter war wesentlich besser als am Vortag, die Sonne schien, doch dann und wann kam leider dennoch ein kurzer Schauer vom Himmel. So startet jeder in den Tag und die Handwerker hatten genug Zeit, sich um ihre Gewerke zu kümmern. Eirik trieb Schildbuckel und Kellen aus Kupfer- und Eisenblech, Morhys befiederte Pfeile, Stefan Paul arbeitete an einem Bogen und Hatto (jetzt auch gerne Sargzimmerer genannt) stellte seinen nächsten Schild aus Blanken her. Reynher war bei den Besucherinnen sehr beliebt, Schmuck kommt halt bei der Damenwelt an, auch wenn er „nur“ aus Knochen oder Horn ist. Es müssen nicht immer Diamanten sein…
Die Mägte und Zofen sowie die wieder fitte Dame Gerlind hatten sich im Foyer eingerichtet. Neben Fragen und Behauptungen wie man sie auch von anderen Veranstaltungen kennt („Sind Sie eine Nonne?“, „Es gab noch keine Wildschweine im 11. Jh.!“), hier noch zwei Höhepunkte:
Melisendis wurde von einer älteren Dame angesprochen, die nach wenigen gewechselten Sätzen mit den Worten „Ich bin ja auch Künstlerin!“ ungefragt inmitten des Displays Platz nahm und zu einem längeren Monolog über ihre Kunst ansetzte, der nach kurzer Zeit schon zu genervten Blicken führte. Diese Dame wieder los zu werden erwies sich als Kampf mit dem berühmten Kaugummi. Es zog sich…
Platz Eins aber sicherte sich eine andere Dame. Mit der Frage „Sind alle von Ihnen so moppelig oder trägt die Kleidung so auf?“ schaffte sie es, alle anwesenden Frauen sprachlos zu machen. Ihr Glück, dass die Krieger samt ihren Waffen weit weg lagerten.
Die Kampfshow musste aufgrund der durchgeweichten Wiese (natürlich ging pünktlich vor der Show ein dicker Wolkenbruch herunter) auf die Uferpromenade verlegt werden. Trotz Hilfe durch die Security musste die Vorführung ein wenig früher als geplant beendet werden, der Ansturm der Leute war einfach zu groß und nicht jeder wollte uns sehen (was ich nicht verstehen kann
) sondern einfach vorbei, was aber nicht möglich war. Die Leute, die den Kämpfern um Comes Sizzo und seinen Thüringern zugeschaut haben, waren aber sehr zufrieden und spendeten reichlich Applaus. Die Kinder genossen natürlich wieder den Sturm auf den Schildwall und die Krieger zum Anfassen nach der Vorführung. Wer will nicht mit einem Bild von sich mit Helm, Schwert und Schild in der Schule angeben?
Der Tag verging wie im Fluge und nachdem Stefan Paulus den Weg aus dem finsteren Klo im Keller gefunden hatte (die Wächter hatten ihm einfach den Strom abgedreht) wurde er bei einem gemeinsamen Abendessen im „Malepartus“ ausklingen lassen. Für kurze Aufregung sorgte nur Herr Gerald, der mit dem Ruf „Bring nochmal so ´ne Kanne!“ den Wirt davon überzeugen wollte, noch einen Bembel Apfelwein zu kredenzen. Da aber der gemeine Frankfurter weder beim Apfelwein noch beim Bembel wirklich Spaß versteht, musste Frau Gerlind als Übersetzerin fungieren und dafür sorgen, dass das flüssige Gold zügig nachgeschenkt werden konnte. Die ohnehin schon gute Stimmung konnte unser Comte noch steigern, indem er verkündete, dass Hr. Prof. Dr. Wamers (Leiter des Museums) alle Stationen besucht hatte und sehr begeistert war. Er bezeichnete uns als “die richtige Entscheidung” und fand es super, wie mit den Besuchern agiert wurde. Dieses Lob von höchster Stelle, ein voller Magen und einige alkoholische Getränke ließ uns zufrieden in die Betten sinken.
Der Sonntag begann wie der Samstag – mit einem entscheidenden Unterschied: es gab Parkplätze ohne Ende. Nachdem die beiden Vortage ein wahrer Park-Horror waren und ein Pendelverkehr eingerichtet werden musste, konnte man heute endlich parken wo und wie man wollte. Das Wetter schien uns hold zu sein, zwar wolkig mit kurzen sonnigen Abschnitten, aber wenigstens trocken.
Die eingespielte Truppe besetzte ihre Positionen und obwohl der Falke von Gerald noch sehr müde war begann ein weiterer Tag. Das Museum war recht gut besucht und wie bereits am Vortag hielt Frau Gerlind einen einstündigen Vortrag zum Thema „Mode und Kleidung des Adels und der Niederen im 11. Jh.“ bei dem sie selbst und der Comte den Adel und Sylvia und Reynher Magd und Knecht repräsentierten. Am Beispiel von Reynher zeigt sich, was mit Interesse und Engagement möglich ist. Zitat: „Strippen fürs Contingent. Wenn mir das einer vor einem halben Jahr gesagt hätte…!“. Auch Elena und Vivelin waren absolute Neulinge und trotzdem konnte man sie ohne Bedenken mit ins Museum nehmen – Klamotte und Publikumskontakt waren einwandfrei. Das ist das Contingent und darauf kann man zu Recht stolz sein.
Auf Handwerkerseite stand der heutige Tag ganz im Zeichen des Bleigießens. Immer nur Schleudergeschosse zu produzieren wurde Kuchemeister irgendwann zu öde und so bekam er von Hatto und Eirik hölzerne Gussformen gefertigt. Damit kleine Kreuze oder ähnliches zu gießen klappt erstaunlich gut und eine kleine Platte mit Contingentskreuz erregte besonders Gefallen. Daher kam die Idee auf, für jeden der Teilnehmer eine solche Erinnerungsplatte zu gießen und dies wurde auch umgesetzt. Eine wirklich schöne Idee, die Herr Hatto für eine spätere Veranstaltung in Ellwangen adaptierte und selbstgeprägte Gedenkmünzen verteilte. Aber das ist eine andere Geschichte.
Auch unten am Ufer war wieder einiges los und auch hier kamen die Besucher mit teilweise lustigen Fragen. Comes Sizzo führte die folgene Kurzkonversation: Auftritt Besucher. Besucher: „Seid ihr die wo Mittelaltermärkte machen?“. Comes Sizzo bestimmt, kurz und informativ: „Nein!“. Abgang Besucher.
Manchmal fragt man sich schon, was genau die Leute jetzt hören wollen. Auch am Tag des Herrn war wieder eine Kampfshow angesetzt, aber nach den Erfahrungen des Vortags wurde diese auf die gesperrte Uferstraße verlegt. Dort hatte man genug Platz und die Besucher konnten mehrere Reihen tief stehen. Wieder wurden Einzelkämpfe gezeigt, Waffen und Rüstung erklärt, Formationen vorgeführt und die Kinder bespaßt.
Leider begann es pünktlich fünf Minuten vor Ende stark zu regnen. Trotzdem wurde der Abbau zügig über die Bühne gebracht, nach einer knappen Stunde sah es so aus, als wären wir nie dort gewesen. Naja, bis auf ein paar Brandflecken auf der Wiese, ein paar Späne hier und dort und Melisendis Magd-Züchtigungsstock.
Schon am nächsten Tag kam ein sehr netter Dankesbrief mit viel Lob von der Museumsleitung und wir sind optimistisch, dass wir nicht zu letzten Mal im Archäologischen Museum zu Frankfurt am Main unsere Zelte aufschlagen durften.
Bericht von Herrn Heinrich