Autor Thema: Schildbemalung  (Gelesen 33639 mal)

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Jorge

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Re: Schildbemalung
« Antwort #30 am: Februar 07, 2011, 00:51:29 Vormittag »
als ehemaliger Kalligraph und Buchmaler kann ich ja jetzt auch mal meinen Senf dazu geben (und NEIN, Senf bleibt auf dem Schildsicherlich nciht dauerhaft gelb!-):

die beiden Pigmente sind durchaus geeignet - da es mineralische Pigmente sind, ist auch eine hohe Lichtechtheit gegeben - wobei der Grünton wahrscheinlich etwas bläßlich werden wird.
Ein schönes Grün bekommt man mit "Grünspan" hin, also oxidiertem Kupfer (wie auf "alten" Kirchendächern auch schön zu sehen) - allerdings ist bei diesem Pigment wegen der (schwachen) Giftigkeit etwas Vorsicht bei der Verarbeitung geboten - am besten draußen verarbeiten, aufpassen, daß man die Stäube nicht einatmet!

Zur Verwendung von Ei als Bindemittel:
Man benutzt das Innere vom Eigelb! So habe ich das "früher" verarbeitet:
-Ei trennen, das Eiweiß an Hund/Katze/Maus verfüttern, das Eigelb (und nur das!) auf einem Papiertuch (Küchenrolle) hin- und herrollen, um es "abzutrocknen". Danach zur Kante des Tuchs rollen und mit einem spitzen Gegenstand anstechen, den ausfließenden Inhalt des Dotters (OHNE die Haut!!!) in einem Becher auffangen.
Ich weiß nicht, wieviel man für einen Schild braucht, ich habe nur kleine Miniaturen gemalt - aber 10 Dotter sollte man mindestens so verarbeiten!

Anschließend werden die Dotter im Verhältnis 1:1 bis 1:2 mit Wasser vermischt, danach die Pigmente dazu gegeben und klumpenfrei vermischt - fertig ist die Farbe!

wieviel Pigment in die Mische muß, bitte ausprobieren - das unterscheidet sich von Pigment zu Pigment!

Jenach Temperatur und Wasseranteil trocknet die Mische in wenigen Stunden physikalisch durch - die chemische Durchhärtung des Eigelbs kann mehrere Monate dauern, ist allerdings für unsere Zwecke nicht relevant.

nach dem Abtrocknen kann die Bemalung nochmal mit einem Dotter/Wasser-Gemisch überstrichen werden, sozusagen als Schutzlack - es kann aber auch mit Leinöl(firnis) überstrichen werden...


Pigmentverarbeitung mit Leinöl(firnis): Das ist etwas einfacher als mit Eidotter!

Einfach Leinöl/Leinölfirnis mit Terpentin(ersatz) 1:1 mischen, Pigmente klumpfrei einrühren, fertig ist die farbe.
Nach dem Abtrocknen (dauert mehrere Tage) die Bemalung nochmals mit der 1:1-Mische (OHNE Pigmente natürlich!) überstreichen - fäärdsch!-)

Übrigens: ich empfehle, grundsätzlich IMMER den ganzen Schild (also Bemalung, Vorder- UND Rückseite, sowie die Rohhautumrandung) mit Leinöl einpinseln!
Dadurch wird der Schild imprägniert - vor allem die Rohhaut dick einpinseln, dann wird sie nämlich bei Feuchtigkeit nicht mehr weich!!!!

*Hobbythekende*


Christian F

  • Gast
Re: Schildbemalung
« Antwort #31 am: Februar 07, 2011, 06:25:43 Vormittag »
Hallo, vielen Dank Euch allen für Eure Antworten :)
Super wie man hier geholfen bekommt.

Zum Thema Grünspan.

http://www.kremer-pigmente.de/shopint/index.php?cat=0102&product=44450

Das sieht mir aber sehr bläulich aus und bei den Kirchendächern ist es ja auch eher bläulich. Die Schilde auf den Bildern vom FFC wirken eher satt dunkelgrün. Ich möchte vermeiden, dass ich aus der Masse heraus steche.

Peter Dein Schild hab ich ja auf Fotos schon gesehen. Welche Pigmente hast Du denn verwendet?

Christian F

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Re: Schildbemalung
« Antwort #32 am: Februar 07, 2011, 08:45:31 Vormittag »
wie wäre es denn damit ?

http://www.kremer-pigmente.de/shopint/index.php?cat=0102&lang=DEU&product=41700

Die scheint mir recht dunkel zu sein, allerdings stell ich mir die Frage wie ein einfacher Soldat an Grünerde aus Verona gekommen sein sioll.
Also doch eher ungeeignet, oder?

Jorge

  • Gast
Re: Schildbemalung
« Antwort #33 am: Februar 07, 2011, 09:44:02 Vormittag »
nunja, ein klein wenig blaustichig ist Grünspan schon, aber gerade in Verbindung mit Ei habe ich seinerzeit auf Pergament deutliche Grüntöne bekommen - Veroneser Erde kannst Du meiner Meinung nach aber auch nehmen, Grünerden gab/gibt es überall in Europa, die Veroneser Erde ist aber aufgrund seiner Beschaffenheit bei Künstlern sehr beliebt, wird daher auch eher angeboten als andere...

Thomas O.

  • Gast
Re: Schildbemalung
« Antwort #34 am: Februar 07, 2011, 10:03:07 Vormittag »
Hallo Christian,

ich würde an deiner Stelle die Böhmische grüne Erde nehmen, die du als Erstes gepostest hast. Einfach aus dem Grund, weil du dann keine unnötigen Kompromisse machen bzw eingehen musst und das ist immer das Beste und einfachste, wie ich finde. :)
« Letzte Änderung: Februar 07, 2011, 10:04:38 Vormittag von Thomas O. »

Christian F

  • Gast
Re: Schildbemalung
« Antwort #35 am: Februar 07, 2011, 10:32:40 Vormittag »
jetzt muss ich noch mal blöd fragen .... sorry sorry  :-[

http://www.kremer-pigmente.de/shopint/index.php?cat=0210&lang=DEU&product=73100

Ist das das was ich brauche? Macht das den Schild nun wasserfest oder nicht?

Peter von Chassalla

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Re: Schildbemalung
« Antwort #36 am: Februar 07, 2011, 15:52:36 Nachmittag »
5 Euro pro Liter Leinölfirnis ist ein guter Preis.
Im Bauhaus kostet 1 Liter 8,25 Euro.
Welches Grün hab ich benutzt,hmm frag mal Andreas,der hats besorgt.
Aber ich finds zu hell.

Christian F

  • Gast
Re: Schildbemalung
« Antwort #37 am: Februar 07, 2011, 15:53:57 Nachmittag »
also ist das die richtige Firnis?

Dunkler dürfte man die Farbe auch mit Holzkohle kriegen vermute ich mal

Peter von Chassalla

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Re: Schildbemalung
« Antwort #38 am: Februar 07, 2011, 15:56:11 Nachmittag »
Ja ich weiss nicht was der Begriff Kobaltfirnis bedeutet.
Meine heißt nur Leinölfirnis,doppelt gekocht.

Christian F

  • Gast
Re: Schildbemalung
« Antwort #39 am: Februar 07, 2011, 15:57:22 Nachmittag »
das weiss ich auch nicht .... bisschen schräg find ich, dass die Leinöl-Kobaltfirnis kobaltfrei ist :D

Jorge

  • Gast
Re: Schildbemalung
« Antwort #40 am: Februar 07, 2011, 16:52:19 Nachmittag »
Du kannst den Firnis nehmen - sollte im Endeffekt in etwa dasselbe Material sein wie ausm Baumarkt - und Dich über den günstigen Preis freuen!-)

Ich selber benutze keinen Leinöl-Firnis, sondern "reines Leinöl" - liegt aber daran, daß ich günstige Ölquellen habe (was wiederum aber auch an den etwas größeren Abnahmemengen meinerseits liegt!-).

Wichtig: 1:1 mit Terpentin(ersatz) mischen - sonst brauchst Du unmengen an Öl und es dauert auch deutlich länger, bis es durchgetrocknet ist!
Wichtig²: Das Öl-Gemisch unbedingt draußen verarbeiten und trocknen lassen - zumindest aber in einem gut durchlüfteten Raum! Also nicht im Wohnzimmer, es sei den, Du willst tränende Augen :'(
Wichtig³: Lappen, Pinsel, etc., die mit dem Öl kontaminiert sind, NICHT "offen" liegenlassen - Gefahr der Selbstentzündung (ist ner Bekannten von mir passiert, glücklicherweise war "nur" die Werkstatt halb ausgebrannt und nicht die ganze Hütte!!!)
Pinsel, die man wieder benutzen will, mit Verdünnung oder terpentin(ersatz) ausspülen, Lappen etc. tränke ich mit Wasser, stecke sie in eine Plastiktüte und stecke sie in die Mülltonne!

Heinrich

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Re: Schildbemalung
« Antwort #41 am: Februar 07, 2011, 22:21:52 Nachmittag »
Entnommen aus: http://www.ffc1066.de/foren/index.php?topic=17.15

Falls es noch Unklarheiten zum Thema Leinöl gibt:

Ich benutze immer Leinöl bzw. Leinölfirnis (was fast das Gleiche ist, unterscheidet sich nur durch beigemischte Sikkative). Das gibt einen guten Geruch, eine schöne Farbe und es schützt das Holz/die Rohhaut.

Leinöl braucht seine Zeit zum trocknen, ein bis zwei Wochen kann man da rechnen, am besten immer schön in die Sonne legen.

Wenn es schneller gehen soll, stellst Du am besten Halböl her. Das ist nicht schwer, im Verhältnis 1:1 Terpentin (-ersatz, KEINESFALLS Nitrolösung, Spiritus, Waschbenzin oder Ähnliches) und Leinöl mischen. Fertig. Das zieht schneller ein, trocknet schneller, der Geruch ist halt dann futsch. Das mußt Du in der Garage oder draußen machen.

Wikipedia sagt:
Leinölfirns wird auf den gereinigten Untergrund aufgetragen (Holz vorher fein anschleifen). Die Verarbeitungstemperatur sollte nicht unter 15 °C liegen. Besser sind 20 °C oder mehr, da die Firnis dann leichter einzieht und schneller aushärtet. Wenn möglich sollte man die Firnis in einem Wasserbad auf 35-40° C erhitzen.
Auf Holz wird die Firnis satt, nass in nass aufgetragen; es erfolgen mehrere Aufstriche, bis das Holz nichts mehr aufnimmt. Auf nichtsaugenden Untergründen sollte die Firnis so dünn wie möglich aufgetragen werden.
Überstände müssen nach einer Einzugszeit von typisch 30 Minuten - 1 Stunde vollständig mit einem Tuch abgenommen werden. Sie würden sonst eine klebrige Oberflächenschicht hinterlassen.
Ein Liter Firnis reicht je nach Saugfähigkeit des Untergrundes für 5 bis 10 m². Als Grundierung kann Leinölfirnis auch mit Terpentinöl verdünnt verarbeitet werden. Dazu wird Leinöl und Terpentinöl im Verhältnis 1:1 gemischt (Halböl).
Halböl oder Grundieröl ist eine Mischung die zu gleichen Teilen aus Leinölfirnis und Terpentinöl besteht, eventuell verdünnt mit Ethanol. Es findet als Grundierung für Holz, Kork, Naturstein, Terracotta und neutrale Putze Verwendung, oder zum Auffrischen alter Holzoberflächen. Im Vergleich zu reiner Leinölfirnis dringt es tiefer ein.

!!! WICHTIG !!!
Bei der Verarbeitung von Leinöl ist Vorsicht geboten. Lappen oder Pinsel, die zusammengeknäult oder nicht ausgewaschen (Wasser und Seife reichen) werden entzünden sich selbst! Daher Pinsel reinigen und Lappen aufhängen oder auch gleich reinigen und dann aufhängen.
!!! WICHTIG !!!

Leinöl und Terpentin(-ersatz) bekommst Du in jedem Baumarkt. Leinöl auch im Supermarkt, dürfte aber teurer sein.

Des weiteren siehe: http://www.ffc1066.de/foren/index.php?topic=1118.15

Historische Bemalung ist mit viel Aufwand verbunden und in der Regel nicht gesundheitsfördernd.

Grüne Pigmente sind Grüne Erden (Eisensilikate) und Grünspan (Kupferazetate, Kupferresinate). Grüne Pigmente wie Schweinfurtergrün (Kupferarsenitatzetat) und Chromoxidgrün (Chromoxidhydrat bzw. Chromoxid) werden erst ab dem 19. Jhdt. verwendet. Kobalt- bzw. Rinnmannsgrün (Zink- und Kobaldsulfat mit Soda gebrannt) wird in der Malerei ab Mitte des 19. Jhdt. eingesetzt, könnte aber schon früher bekannt sein. Problem: unbeständig gegen Alkalien.

Rote Pigmente sind einfacher und vielfältiger. Hier sind zu nennen Erdpigmernte (Roter Ocker, Spanisch Rot, Persischrot, Roter Bolus, Terra di Pozzuoli, Rötel, Poliment), Zinnober (Quecksilbersulfid), Wurzel- und Alizarinkrapplack, Purpur, Kermes bzw. Alkermes, Karmin bzw. Koschenille. Nicht geeignet ist Molybdarot, da es eine Weiterentwicklung der Chromgelbs ist (ab 1809 n.Chr.).

Der eigentliche Vorgang der Farbherstellung ist nicht gerade einfach und schnell beschrieben, daher empfehle ich hier Doerner, Max; Malmaterial und seine Verwendung im Bilde; Ferdinand Enke Verlag Stuttgart 1985. Ist auch die Quelle für die Angaben oben.

Sowie: http://turba-delirantium.skyrocket.de/malerei/ei-tempera.htm
Beste Grüße,

Herr Heinrich

Seigneur de Saint-Léger-aux-Bois
Veteran des Wimpel VI "L'Infanterie Hessois" und Lieu-Tenant des III. Pennon "Hassia"

Vive la Normandie! Thorsaie! Tout ou rien! Pro Honore Militia Hassia!

arduum res gestas scribere

Peter von Chassalla

  • Gast
Re: Schildbemalung
« Antwort #42 am: Februar 07, 2011, 22:36:54 Nachmittag »
Na nun müsste ja eigentlich alles geklärt sein.  ;)

Christian F

  • Gast
Re: Schildbemalung
« Antwort #43 am: Februar 07, 2011, 23:19:05 Nachmittag »
denke ich auch .... Pigmente und Kreidegrund sind bestellt .... entweder meld ich mich wieder wenn ich fertig oder der Verzweiflung nah bin :)

Peter von Chassalla

  • Gast
Re: Schildbemalung
« Antwort #44 am: Februar 08, 2011, 20:33:06 Nachmittag »
Achja,alles Gute zum Geburtstag Christian ;)