Autor Thema: Bretter aus einem Stamm spalten  (Gelesen 15541 mal)

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Ollibert

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Bretter aus einem Stamm spalten
« am: September 28, 2011, 15:20:13 Nachmittag »
Hallo zusammen,

habt ihr vielleicht Tipps zum Spalten von Baumstämmen?

Hintergrund ist der, dass ich evtl. einen (nicht sehr dicken) Eichenstamm bekommen kann und mir daraus gerne Bretter spalten würde. Die Bretter sollten aufgrund des eher geringen Durchmessers (20-25 cm) über die gesamte Stammbreite verlaufen.

Ist es für einen Laien wie mich überhaupt möglich, einigermaßen gerade Bretter zu spalten?

Für Tipps jeglicher Art, auch zu passendem Werkzeug oder Lagerung/ Trocknung bin ich euch im Voraus dankbar!

Das einzig einigermaßen brauchbare, was ich über google herausgefunden habe, ist das hier: http://www.archaeoforum.de/viewtopic.php?f=41&t=3462
Lieben Gruß

Ollie

Elena / Elenik

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Antw:Bretter aus einem Stamm spalten
« Antwort #1 am: September 28, 2011, 15:29:38 Nachmittag »
Ollie, Du alter Spalter  :D



(Sorry, konnt ich mir grad nicht verkneifen ;))
Liebe Grüße
Elena

Jorg Keilerson

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Antw:Bretter aus einem Stamm spalten
« Antwort #2 am: September 28, 2011, 21:23:39 Nachmittag »
Ollibert,
Spalten! Was ein aufgabe.
Aber...Es ist möglich. Unsere Vorvatern haben nicht anders getan...

Spalten einfach mit mehrere eiseren Keilen (wie ein Spaltaxt ohne das holz) arbeiten und bischen, dm bei dm spalten. Ein rechtes Endstück kannst du vergessen, nicht um gemein zu sein, aber kein Baum wachst 100% gerade hoch. Ein Baum dreht immer etwas in sein leben. Und dadurch sind die gespaltene bretter nicht gerade.
Mit Wasser und feuer (sehr A) kannst du das Holz wieder biegen in dein gewünschte Vorm.

Noch eins: Ein Baum spalten über sein länge (2 halbe endstücken) ist möglich, aber dann mehrere Bretter mit komplette breite bekommen aus so ein halbe ist nicht möglich. Kernholz (das mitte des Baumes) ist nicht gut in ein Brett (es kann ausgerechnet dar 'spleisen').

Bis soweit
Wenn noch fragen? dann hier oder via PM

Jorg

PS nochmal dein Beitrag gelesen. Ist der Baum gerade runter genommen? Oder ist er schon abgelagert (trocken). Es gibt unterschied in 'nasses' und trocken Holz.
Nur eine dänen-axt gibt die ruhe die man sucht

- Ultimum videbis est aper ax -

Heinrich

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Antw:Bretter aus einem Stamm spalten
« Antwort #3 am: September 29, 2011, 00:43:31 Vormittag »
Keiler hat es ja im Grunde schon beschrieben wie es geht und auch Dein Web-Fundstück ist sehr brauchbar. Bedenke beim Spalten, dass Du dickere Bretter spalten musst, als Du verarbeiten willst, denn Du hast noch Substanzverlust durch das Zurichten mit der Behauaxt. Eine Behauaxt nach Tapeten-Vorbild siehst Du hier: http://www.hacheschmiede.de/showdetails.php?id=50
Man muss ein bißchen üben, bis das was wird. Viel Erfolg!
Beste Grüße,

Herr Heinrich

Seigneur de Saint-Léger-aux-Bois
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arduum res gestas scribere

Tassilos Rache

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Antw:Bretter aus einem Stamm spalten
« Antwort #4 am: September 29, 2011, 08:13:53 Vormittag »
Servus,

mein Bogenbaulehrer spaltet seine Rohlinge auch selbst aus relativ frischen Stämmen. Ist etwas anders las Bretter zu spalten, da die Grunform ja dreieckig ist, aber das Prinzip bleibt.

Bei einer Demonstration mit anschließender Übung hat sich gezeigt, daß selbst jemand, der sowas noch nie gemacht hat, ganz gut zurecht kommt, auch wenn das Ergebnis nicht 100%ig sein wird.

Stichpunktmäßig die Sachen, die mir im Gedächtnis blieben:
- Achte auf Äste, da wird der Spalt versuchen, drumrumzulaufen
- lieber mal Radial spalten und schmalere Bretter machen, als den Stamm in seiner gesamten Breite zu spalten, das ist Anfangs einfacher und frustfreier (und schüsselt hinterher nicht so stark)
- Achte beim Ansetzen auf den Verlauf der Jahresringe, wenn Du da einen findest, der etwas "höher" ist, dann hast Du einen guten Ansatzpunkt
- Langsam und mit wenig Gewalt anfangen, damit der Spalt dem Jahresring folgen kann

- Die entstandenen Bretter kannst Du bei der Breite, die Dein Stamm hergeben wird auch gut mit dem Ziehmesser, anstelle einer Behauaxt, glätten, da tust Du Dir leichter.

-Die Bretter gut belüftet und trocken aufstapeln und jeweils dünne leisten zwischen die einzelnen Lagen packen; vor der Weiterverabeitung mindestens ein Jahr liegen lassen. Die Enden kannst Du versiegeln, dann reißt das Holz nicht so stark

Viel Erfolg!

P.S. EIne schöne Anleitung mit Tips (auf Englisch) findest Du auch unter:
http://www.greenwoodworking.com/RivingArticle

Ollibert

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Antw:Bretter aus einem Stamm spalten
« Antwort #5 am: September 29, 2011, 10:46:35 Vormittag »
Vielen Dank für eure Antworten! Hilft mir echt sehr weiter.

Nochmal ganz kurz, der Baum steht noch, soll aber in nächster Zeit abgemacht werden. Andererseits hab ich ihn jetzt auch mal gesehen und denke, erstens ist er zu dünn um vernünftige Bretter heraus zu bekommen und zweitens auch nicht sehr gerade gewachsen. Mir schwebte vor, ich könnte Material für eine kleine Kiste bekommen...
Naja, werde mich dann wohl später mal an einem anderen Exemplar versuchen.

Danke nochmal für die schnelle Hilfe!
Lieben Gruß

Ollie

Sebastian

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Antw:Bretter aus einem Stamm spalten
« Antwort #6 am: September 29, 2011, 12:55:43 Nachmittag »
Scheiben schneiden und in die Stuhlproduktion gehen? ;)
Sebastian - oder süß und saftig, Devise: Lächeln & Winken!

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wir schlagen und stechen, wir feiern und zechen, uns keiner was anhaben kann"

Ærik

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Antw:Bretter aus einem Stamm spalten
« Antwort #7 am: September 29, 2011, 19:19:52 Nachmittag »
Olli bei mir wäre Platz,auch um das Holz zu Lagern, und die eine oder andere Axt vorhanden.
Helfen würde ich VIeleicht ;) auch
Es rettet uns kein höheres Wesen, kein Gott kein Kaiser noch Tribun. Uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun.

Tassilos Rache

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Antw:Bretter aus einem Stamm spalten
« Antwort #8 am: September 29, 2011, 19:30:27 Nachmittag »
Hei Olli, dann nimm den Stamm trotzdem und üb einfach damit. Dann versaust Du Dir nicht das gute Holz und vielleicht wird's ja trotzdem was. Haste halt sauber gespaltenes Feuerholz...

Rotgerus

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Antw:Bretter aus einem Stamm spalten
« Antwort #9 am: September 29, 2011, 20:34:17 Nachmittag »
hallo,
noch einen Tipp um das Holz gut zu trocknen, ohne das Risse entstehen:
Die beiden Stammenden einfach in Wachs tauchen, so trocknet das Holz von außen.
Danach trocknen lassen und kühl, aber trocken lagern,vll im Keller? Dieses kann aber bis zu 3 Jahren dauern, geht aber je nach Holz auch schneller :D
So mache ich es seid ungefähr 6 Jahren mit allen möglichen Hölzern für meine Messergriffe.
lg nils
Mut ist, zu kämpfen! Auch wenn der Gegner übermächtig ist.

Gerald

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Antw:Bretter aus einem Stamm spalten
« Antwort #10 am: September 29, 2011, 21:39:49 Nachmittag »
1.) Den Baum (übrigens alle Laubbäume) erst im Winter fällen wenn er in der Ruhephase ist und kein Saft im Holz ist sonst wird es stockig und fault, Dezember - Februar.
2.) Das Holz lässt sich relativ gut spalten wenn es frisch gefällt ist, abgelagertes Holz spaltet sich sehr schwer
3.) Von der Eiche ist das beste das Kernholz etwas dunkler, Splintholz etwas heller wie man das äußere Holz nennt ist nicht so gut. Bei Buche, Esche, und einigen anderen Hölzern ist es umgekehrt.
4.) Als Bauholz kannst du es ohne ablagern verarbeiten, nicht aber für Möbel u.s.w., das Ablagern dauert bei Eiche pro cm dicke der entstandenen Bohle ca. 1Jahr.
5.) Das Ablagern unbedingt im freien, die entstandenen Bohlen mit ca. 2cm Starken Latten im Abstand von ungefähr 50cm übereinander aufstapeln, anschließend überdachen und somit vor Sonne, Regen und Schnee schützen, aber der Wind muss an die Bretter kommen.

Bei deinem recht schwachen Stamm der vermutlich nicht sehr alt ist lohnt die Mühe nicht wirklich, es bleibt dir nicht viel Holz zum verarbeiten übrig.
Bevor du versuchst zu Spalten lasse den Stamm lieber in einem Sägewerk in ca. 3cm starke Bohlen schneiden. Da bleiben dir nach Abrichten und Hobeln ca. 2-2,5 cm starke Bretter übrig.
 


« Letzte Änderung: September 30, 2011, 13:45:08 Nachmittag von Gerald »
Gruß
Gerald von Storndorf
Herr zu St. Martin le Gaillard / Normandie

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Holger

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Antw:Bretter aus einem Stamm spalten
« Antwort #11 am: März 18, 2013, 00:59:36 Vormittag »
Ja, ich weiß, das man Tote ruhen lassen soll :D
Das Holzspalten hat auch mich schon beschäftigt und bei mir zunächst zu recht unbefriedigenden Ergebnissen geführt.
Erstmal sollte man sich klar machen, dass die Waldgebiete bis ins hohe Mittelalter recht groß waren und man daher eine große Auswahl an Holz zur Verfügung hatte. Das damals verwendete Holz bezeichnet man heute als Furnierqualität und es ist schweineteuer!!! Günstiges Holz ist meist astig oder hat Drehwuchs, was sich alles nicht gut macht beim Spalten.
Meine bisherigen Fehler:
- mein Holz hatte minderwertige Qualität
- Ich wollte zu viele Bretter um den Verschnitt zu sparen. Wenn man versucht zu dünne Spaltbohlen herzustellen reißen diese in sich und man hat nix dabei gewonnen außer Brennholz.
- Ich habe den Stamm halbiert und dann versucht eine schmale Spaltbohle nach der anderen rauszuspalten. Das funktioniert so nicht. Der Riss läuft aus der Bohle heraus, da sie sich stärker biegt als der massive Rest.
- Ich wollte zu lange Bohlen spalten, je länger die Bohle wird, desto größer muss die Erfahrung sein um gute Ergebnisse zu erzielen.

Was ich mitlerweile weiß:

- das Holz muss frisch sein
- erstmal den Stamm entrinden
- Man muss immer halbieren, damit sich beidzeitig des Spalts das Material gleich biegt und der Riss gerade läuft.
- Ein Stammviertel würde ich nur  noch in 2 oder 3 "Tortenstücke Spalten. Je schlechter die Holzqualität, desto weniger Tortenstücke :-\
- Es ist möglich einen Stamm zu halbieren und dann Tangentialbohlen zu spalten(siehe Bremer Kogge)
- lieber kürzere Bohlen spalten
- Mann hat viel Verschnitt: das Splintholz ist bei den erhaltenen Möbeln meist komplett entfernt worden.
- Die Bohlen müssen mit dem Beil, ähnlich dem Balkenbehauen nachbearbeitet werden. Dabei wird erst eine Seite der Bohle mit der Axt plan gearbeitet, dann werden auf der anderen Seite ca alle 30 cm Kerben mit der Axt bis dicht an den zukünftigen Bohlenquerschnitt  eingeschlagen(Richtscheit oder Schlagschnur verwenden). Die Bereiche zwischen den Kerben werden mit der Axt abgespalten. All dies passiert mit der noralen Axt, erst der "letzte Schliff" (ca 1cm) geschieht mit dem berühmten Beschlagbeil der Zimmerleute!!!!
- all dies muss im Saftfrischen Zustand passieren. Ich glaube das die meisten mittelalterlichen Möbel aus frischem Holz hergestellt wurden und das fertige Möbel dann trocknete.

offene Fragen:
- Wie kann man den Riss lenken???
- Wie müssen die Kleile aussehen?
- Soll man vom Stammende oder den Seiten die Keile einschlagen oder ist es egal

den Link find ich ganz gut für die die sich wenig darunter vorstellen können
http://www.rivenoak.co.uk/1643/1664.html

Noch was zu den Radial-Spaltbohlen: Sie sind das beste Material für den Möbel und Bootsbau.
- Sie haben stehende Jahrringe und schwinden damit in der Breite nur gering. Der Hauptschwund liegt in der Dicke.
- Sie verwerfen sich nicht
- Sie sind extrem Bruchstabil, da durch das Spalten die Holzwuchsrichtung, die Fasern nicht getrennt wurden.
- viele historische Holzbearbeitungswerkzeuge zur Weiterverarbeitung funktionieren erst mit gespaltem Holz richtig
- Eichenradialbohlen weisen das typische Markstrahlenbild auf.

Erstatzmaterial:
Da nicht jeder selber Bohlen spalten kann, kann man sich beim Holzhändler einfach die Kernbretter/bohlen heraussuchen. Sie weisen nahezu das gleiche Holzbild, als auch gleiche Schwundeigenschaften wie Radialspaltbohlen auf. Sie sind auch nicht teurer im Kubikmeterpreis, nur ist der Kern oft etwas astig(=z.T. Abfall)
Also: Finger weg von den Leimholzplatten aus dem Baumarkt!!!
« Letzte Änderung: März 18, 2013, 01:23:14 Vormittag von Holger »

Jorg Keilerson

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Antw:Bretter aus einem Stamm spalten
« Antwort #12 am: März 18, 2013, 08:25:57 Vormittag »
Hej Holger,
Wegen deine 3 offne Fragen:
- ein Rat. Komm nach Ribe diesen Sommer und frage bei den Holzwürmer von Museum (die reden auch Deutsch) die dort immer auch spalten wie es funktioniert.
Dann kannst du vielleicht mit die Materialen und Geräte von Ribe unter sehr gute begleitung einiges machen.

Jorg
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