Autor Thema: Nonne 11.jhd  (Gelesen 30514 mal)

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Mara

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Antw:Nonne 11.jhd
« Antwort #45 am: November 08, 2011, 08:50:28 Vormittag »
Karl der Große (747-814) fasste  den Entschluss, allen Klöstern seines Reiches eine einheitliche Klosterregel zu geben. Er ließ sich eine Abschrift der Benediktinerregel nach Aachen bringen und erklärte sie 816 als bindend für alle Klöster im Frankenreich.

Hier findet man in der Regel 55 die Vorschriften für die Kleiderordnung (allerdings der Mönche).(http://abtei.kloster-ettal.de/orden-spiritualitaet/die-regel-benedikts/)

Im 7. Jahrhundert erlebten die Frauenklöster einen Boom. Die Nonnen stammten beinahe ausschließlich aus adligen Familien, entweder waren es Töchter aus Adelsfamilien oder verwitwete Adelsfrauen. Sie wollten ein Leben führen, in dem sie wohlversorgt und fernab der harten Männerwelt waren. Die Regel des heiligen Benedikt bestand für sie lediglich in der Theorie. (Quelle: http://www.kloster-aktuell.de/kloster/frauen-nonnen.html)

Dementsprechend kann man vermuten, dass es je nach Kloster, finanziellen Mitteln, Wunschvorstellungen der jeweiligen Äbtissin, dem familiären Hintergrund der Nonnen etc. auch unterschiedliche Kleidung (also keinen Einheitshabit) gegeben haben könnte.
Einheitliche Kleidung finde ich bei allen Quellen auch immer erst ab dem späten Hochmittelalter bzw. frühen Spätmittelalter.
LG Mara

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Mara

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Antw:Nonne 11.jhd
« Antwort #46 am: November 08, 2011, 09:36:52 Vormittag »
Hab jetzt endlich was Handfestes gefunden:
http://books.google.de/books?id=c9EOKf-nY24C&pg=PA139&lpg=PA139&dq=Sanctimoniale&source=bl&ots=o2seCvmL_1&sig=Y3Cjnx_2jLQOpq6JPrsXqgQxGMg&hl=de&ei=JuO4TpbbFobNhAf0wcCYBw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=4&ved=0CDkQ6AEwAw#v=onepage&q=Sanctimoniale&f=false

Norm und Wirklichkeit religiöser Frauengemeinschaften im Frühmittelalter, S. 84 unten:

"Bezüglich der Kleidung der Sanctimonialen (Nonnen) bestimmen die synodalen Teilnehmer (laut Kontext ist hier vermutlich die Synode von Chalon-sur-Saône im Jahre 813 gemeint), allem Anschein nach unter Berücksichtigung lokaler Traditionen, lediglich in allgemein gehaltenen Formulierungen, dass die Sanctimonialen sich schlicht und ohne Luxus einzukleiden haben: die äußere Erscheinung soll die innere Haltung, die gewählte Lebensform zum Ausdruck bringen. Die Kleidung sollte aus Leinen und Wolle, keinesfalls aus Seide sein. An einer Stelle wird erwähnt, die Sanctimonialen sollten nigrae vestes (schwarze Gewänder) tragen. Wir wiesen bereits darauf hin, dass die Sanctimonialen in der Kirche einen Schleier zu tragen haben. "

Ergo: Es musste keine einheitliche Kleidung sein. Schlicht und einfach reichte. Wenn aber explizit darauf hingewiesen wird, dass in der Kirche ein Schleier zu tragen ist, könnte man fast darauf schließen, dass er außerhalb der Kirche nicht zwingend erforderlich war.

PS: zum Thema Sanctimonale kann man sich auf wikipedia gern belesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Sanktimoniale

Weitere Ideen liefert auch die Homepage zur Ausstellung des Stiftes Gernrode: http://www.stift-gernrode.uni-goettingen.de/AltFrameset.htm

Mein persönlicher Endruck nach allen Recherchen ist Folgender: Zwischen Stiften und reinen Klöstern mit gelübdeablegenden Nonnen wurde zumindest kleidungstechnisch in dieser Zeit noch nicht so heftig unterschieden. Bindend waren die Regeln des Hl. Benedikt, an die man sich aber nur sporadisch hielt. Selbst auf der Synode 813 wurden die Vorschriften eher allgemein gehalten. Man trug einfache Kleidung aus Wolle oder Leinen, diese konnte auch farbig sein. Schleier in der Kirche war Pflicht. Empfohlen wurde schwarze Kleidung, aber eben nur empfohlen.

@ Fazit für Hanna:
Insofern könntest Du mit einem schwarzen Wollkleid, einem Leinenunterkleid und einem weißen Schleier, der auch den Hals bedeckt, zumindest nicht so viel falsch machen und wirst in dieser Kleidung auch relativ schnell als Nonne erkannt.  :D
LG Mara

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Hanna

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Antw:Nonne 11.jhd
« Antwort #47 am: November 08, 2011, 14:11:19 Nachmittag »
hej wow...sehr cool! vielen dank dir!!;)

na so oder so,werde ich mcih mal mit der thematik des stoff schwarfärbens beschäftigen:-D

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Antw:Nonne 11.jhd
« Antwort #48 am: November 08, 2011, 15:07:08 Nachmittag »
Folgende "schwarz"-Färbungen sind im Haithabukomplex nachgewiesen:

Naturbrauen Wolle: Fragmente 1, 2, 5, 7, 11 a-d, 26, 31
2. Schwarz-Färbung mit Walnussschalen und gerbsaurem Eisen (Granatapfel): Fragmente 3, 4, 6
3. Färbung mit Walnussschalen: Fragmente 8, 10, 11e, 11f, 12, 13, 14 A-B, 14D, 18, 19,
21 A, 21 B, 22
4. Schwarz-Färbung mit gerbsaurem Eisen (Granatapfel) auf naturbraune Wolle: Fragment 9
5. Partienweise naturbraune Wolle und Färbung mit Walnussschalen: Fragmente 16, 17

Aber zur alles entscheideneden Frage zurück  ;)
Worin unterscheidet sich Nonne, "Stiftsfrau" und Magt im aussehen?

Grüße
Gerald der Uhl zu Wilhaim
Maréchal des Logis
« Letzte Änderung: November 08, 2011, 15:09:45 Nachmittag von Gerald der Uhl zu Wilhaim »
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Mara

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Antw:Nonne 11.jhd
« Antwort #49 am: November 08, 2011, 16:11:32 Nachmittag »
Aber zur alles entscheideneden Frage zurück  ;)
Worin unterscheidet sich Nonne, "Stiftsfrau" und Magt im aussehen?

In der Kleidung wohl eher wenig. Wenn man aber eindeutig eine Nonne darstellen will, könnte man durchaus auf schwarzen Habit und weißen Schleier zurückgreifen. So wird man als solches dann auch durch andere Contingentler erkannt.  ;)
Ist einfacher, als in "normaler" einfacher Kleidung durch die Gegend zu laufen und jedem - der es hören will, oder auch nicht - zu erzählen, dass man eine Nonne darstellt.  :-\

Es gab zwar keine Beweise, dass es eine Einheitstracht gab, aber Schwarz-weiß sind zumindest als Empfehlung gegeben. Und das schriftlich.

Also, läuft uns in Herzberg ein weiblicher Pinguin über den Weg - kann das nur Hanna sein!!!

:D :D :D
LG Mara

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Dagobert

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Antw:Nonne 11.jhd
« Antwort #50 am: November 08, 2011, 16:21:46 Nachmittag »
Laut dem Ausstellungskatalog: „Sakrale Gewänder des Mittelalters“ hat der Bamberger Domschatz den Chormantel der Hl. Kunigunde.  Der Mantel kann durch die vielen Ausbesserungen nicht mehr eindeutig datiert werden. Er stammt aus dem 10-12 Jahrhundert.
Daneben  gibt es dort noch ein Pluviale von der Hl. Kunigunde.  1127 im einem Verzeichnis der „casula auro ornate“ zum ersten Mal genannt.
Auch gibt es in Bamberg den Gürtel der HL Kunigunde aus dem 11/12 Jahrhundert.

In der Schatzkammer der Andechser Wallfahrtskirche befindet sich ein Fragment des Rockes der HL Elisabeth der wahrscheinlich aus dem 11 Jahrhundert stammt.



Es wäre vielleicht auch hilfreich zu recherchieren, was eine Nonne auf keinen Fall tragen darf.
Dazu müsste was im CIC, das vor dem  Vaticanum II galt,  zu finden sein.

Jürgen

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Antw:Nonne 11.jhd
« Antwort #51 am: November 08, 2011, 18:32:32 Nachmittag »
Ich habe mal nachgefragt beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Thierhaupten, wegen Infos zu den Nonnengräbern in Donauwörth.
http://www.blfd.bayern.de/landesamt/dienststellen/thierhaupten/00031/
Aktuell ist die Auswertung noch nicht abgeschlossen. Es ist auch nicht klar, ob etwas veröffentlicht wird; hängt ab von der Bedeutung der Funde. Ich solle mich im März nochmal melden.
Werde ich machen; ich habe dem Dr. Wolfgang Czysz [spricht sich "Tschech"] die Nachricht hinterlassen, daß ich alles wissen möchte, was gefunden wurde, selbst wenn's nur der reine Grabungsbericht ist. Mal schauen.

Jürgen
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Antw:Nonne 11.jhd
« Antwort #52 am: November 08, 2011, 18:47:05 Nachmittag »
Ha :D
ich habe gerade eine Quelle zur Kleidungsfarbe wiedergefunden, die mir schon die ganze Zeit im Kopf hing:
970 regt sich der Abt von St.Remis in der Reimser Synode auf:
" Wenn nun aber der Wollarbeit weiße untermischt ist , lässt sie hier auch solche das Kleidungsstück verschmähen. Braune  (Farbe) wird auch abgelehnt; und nicht weniger reicht natürliche schwarze Farbe nicht aus, wenn sie nicht mit Rindensaft gefärbt ist"
[Richter, Historiae III,38,S189]
Er beschwert sich bei der Synode das die Mönche zu eitel sind und nicht mehr natürliche Farben tragen sondern nur noch nachgefärbte Stoffe verwenden.

Also auch hier gilt so zusagen unser Kitguide, Je einfacher der Stand = Naturfarbene Kleider

Gruoss
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Thomas O.

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Antw:Nonne 11.jhd
« Antwort #53 am: Januar 22, 2012, 20:51:26 Nachmittag »
Wenn wir versuchen, brauchbare Belege für historische Kleidung zu finden, ist es oberste Priorität, diese richtig zu deuten. Abbildungen jeder Art dienten im Mittelalter nicht der exakten Darstellung der Lebensrealität, sondern waren vielmehr idealisierte und in dem jeweiligen Kontext zu verstehende Kunstwerke, die einem bestimmten Zweck dienten. Der folgende Eintrag soll als Beispiel dienen, wie umfänglich und detailliert so eine Interpretation aussehen kann.

Bei der Interpretation erhaltener Werke aus den bildenden Künsten muss zunächst auf den historischen Kontext eingegangen werden. Als Grundlage der Recherche zum Thema klerikale Tracht für Frauen können grundsätzlich folgende Dinge dienen:

Ordensregeln
Regelergänzungen (Consuetudines)
Briefe und Beschreibungen
Kleiderlisten
Bildende Künste

Im Folgenden konzentrieren wir uns auf die bildenden Künste, genauer auf Stifterbilder. Zu den anderen Bereichen sind jeweils weitere Recherchearbeiten notwendig.

Das Stifterbild auf dem Otto-Mathilden-Kreuz dient zunächst als Grundlage, da es hier vorher bereits als Beleg angeführt wurde:


Abb. 1


Abb. 2

Bildbeschreibung:
Das Kreuz ist 44,5 cm hoch, 29,5 cm breit, der Kern besteht aus Eichenholz und ist mit vergoldetem Kupferblech sowie getriebenen Goldblech ummantelt. Bei diesem lateinischen Kreuz bilden die Enden Trapeze aus, die durch ihre Wülste Kapitellen gleichen. An jedem Ende befinden sich dreieckige Stücke, bei denen sich jeweils in der Mitte eine Gemme und in den Ecken jeweils Perlen befinden. In den Zwischenräumen ist durch Golddraht eine ornamentale Feinverzierung ausgestaltet. Umrandet wird das Kreuz von jeweils alternierend von einer Gemme und darauffolgend von zwei Perlen, die gegenüberliegenden Gemmen sind größtenteils farb- und formgleich. Innerhalb der Umrandung befindet sich ein aus Goldblech getriebener Christus, der über einer Schlange steht und somit Psalm 91 aufgreift (Psalm 91, 13: „Über Löwen und Schlangen wirst du gehen, Junglöwen und Schlangen zertreten.“). Die Fläche zwischen Jesus und der Umrandung ist bis auf den Nimbus unbearbeitet. Im Nimbus befinden sich drei symmetrisch angeordnete Gemmen und ist weiterhin durch ornamental angelegten Golddraht ausgestaltet. Das Kreuz wird oben und unten durch Emaillearbeiten eingerahmt. Auf dem oberen Emaille ist die Kreuzinschrift IHC NAZARENUS REX IUDEOR(um) zu lesen. Das untere Emaille zeigt Äbtissen Mathilde und Herzog Otto, die durch Überschriften zu identifizieren sind. Beide stehen auf etwa gleich hohem unebenen Grund, tragen zeitgenössische weltliche Kleidung: Mathilde trägt ein dunkelbraunes Kleid mit roten Rosetten, die sich in den gelben Punkten befinden sowie einen hellblauen Schleier. Ottos Kleidung weist die gleiche Farbe auf. Seine Beinlinge und Tunika, die rot gesäumt ist, weisen die gleiche blaue Farbe auf. Sein Mantel gleicht farblich dem Kleid der Mathilde. Otto scheint Mathilde ein Vortragekreuz zu übergeben, das ein griechisches Kreuz darstellt. Ebenso auffällig ist Mathildes Handgeste.

Historischer Kontext:
Herzog Otto von Schwaben und Äbtissin Mathilde sind die beiden letzten Vertreter der schwäbischen Linie des ottonischen Kaiserhauses. 973 wird Mathilde zum ersten Mal als Äbtissin erwähnt, Otto wird im gleichen Jahr Herzog. Herzog Otto unterstützte Kaiser Otto II. wesentlich und begleitete den Kaiser 982 auf seinem Italienfeldzug. Dabei verstarb Herzog Otto und zu seinem Gedenken ließ Mathilde am Grab Ottos in Aschaffenburg eine umfangreiche Memorialstiftung errichten.

Die liturgische Funktion eines Vortragekreuzes ist schwierig zu rekonstruieren. Es wurde vor allem bei Prozessionen mitgeführt und meist mit dem Korpus nach vorne gerichtet an der Spitze vorweg getragen. Ein weiterer Verwendungszweck ist schriftlich überliefert: eventuell hatte es einen Stellenwert beim feierlichen Einzug der Äbtissin in den Stift, vergleichbar mit dem Reichskreuz aus den Herrscherinsignien. Zur Prozession an Ostern hatte es zusätzlich eine Memorialfunktion, um die Toten in den Gottesdienst einzubinden. Während des Gottesdienstes wurden die Kreuze vermutlich in Altarnähe platziert.

Die ältere Literatur geht davon aus, dass das Kreuz vor 982 gefertigt wurde, in jüngerer Zeit wird angenommen, dass es erst danach hergestellt wurde. Der Herstellungsort ist umstritten. In Frage kommen Köln oder Essen, die Emaille wurde entweder in Köln oder Trier hergestellt. Vermutlich handelt es sich bei dem Kreuz um eine Rezeption des Aachener Lotharkreuzes.

Interpretation:
Die Handbewegung Mathildes ist mehrdeutig zu erklären. Sie kann als Gruß und/oder Annahmegeste in Bezug auf die Überreichung des Kreuzes durch Otto gedeutet werden. Ebenso kann es eine Orations- oder Vermittlungsgeste im Bezug auf den Gekreuzigten sein. Dies stellt eine Besonderheit innerhalb der Stifterdarstellungen dar. In Stifterdarstellungen kommen immer ein Stifter und ein Adressat vor (Adressaten sind häufig Heilige, Maria und/oder Christus). Stifter und Adressat stehen oft in Interaktion zueinander. Die Actio des Stifters wird durch die Accepio des Adressaten angenommen. Dies geschieht in Darstellungen durch Gebärde/Handlung und signalisiert  die Annahme der Stiftung. Die Anbetung des Adressaten steht im Vordergrund, der Inhalt der Stiftung ist lediglich chiffriert und spielt eine untergeordnete Rolle.
Die Darstellung der Emaille auf dem Otto-Mathilden-Kreuz als Stifterbild ist nur durch Kontextualisierung ersichtlich.

Kreuzigungsbilder haben für Stifter eine lange Tradition. Der Stifter liegt, kniet oder steht unter dem Kreuz. Dadurch ist der Gekreuzigte als Adressat ikonographisch nicht zu stifterbezogenem Handeln fähig, daher kommen folgende Möglichkeiten in Betracht:

Der Stifter tritt vor Christus, um mit seinem Stiftungssymbol auf sein Werk hinzuweisen. Er empfiehlt sich vor Christus an, der als Gekreuzigter zu keiner bestätigenden Handlung fähig ist. Die Accepio ist indirekt durch die Existenz des Bildes gegeben.


Abb. 3


Abb. 4


Abb. 5


Abb. 6


Abb. 7

Eine weitere Möglichkeit zeigt das Jüngere Mathildenkreuz (1039 – 1058):


Abb. 8

 In der dort abgebildeten Stifteremaille sind die Gottesmutter und auf ihrem Schoß sitzend Christus zu sehen. Daneben ist Mathilde auf den Knien betend abgebildet und durch eine Inschrift erkennbar. Mathilde trägt hier eine weiße sakrale Tracht und hält einen Kreuzstab in der Hand. Christus nimmt als Kind an der Handlung teil und legitimiert die Stiftung. Die Bezugsebene ist auf die Emaille beschränkt.

Das Stifterbild auf dem oben angeführten Otto-Mathilden-Kreuz zeigt keine eigentliche Interaktion mit dem Gekreuzigten, sondern enthält nur durch die Handgeste Mathildes Elemente eines Stifterbildes. Die konzeptionalen Eigenschaften des Stifterbildes sind eine Besonderheit, wodurch ein bestimmter Entstehungszusammenhang gegeben ist. Die Stifterin wird durch ihre Kleidung charakterisiert.

Die Protagonisten Otto und Mathilde sind statisch und parallel angeordnet und tragen keine weiteren Insignien. Dadurch ist eine abweichende Inhaltlichkeit von anderen Stifterbildern gegeben. Ausgehend von der Aktion ist Otto der Stifter. Mathildes weltliche Kleidung wäre somit fraglich. Wenn sie primär als Äbtissin gezeigt würde, müsste sie sakrale Tracht tragen, um nicht von den Darstellungskonventionen abzuweichen. Also muss der Inhalt dieses Stifterbildes anders gedeutet werden. Mathilde kann nicht primär als Äbtissin angesprochen werden, sondern als mit Otto gleichgestellte Person (Die Übergabe erfolgt an die Ottonin, nicht an die Äbtissin!). Otto trägt ebenfalls keine Herrscherinsignien wie z.B. ein Schwert oder eine Lanze. Also könnte das Stifterbild einen familiären Zusammenhang haben und zeigt Otto und Mathilde als Geschwister. Indizien für diese Deutung liefert der historische Kontext. In den Quellen wird Mathilde als einzige Verwandte Ottos beschrieben. Die Überführung des Leichnams und die Einsetzung einer Memorialstiftung für Otto wurden von ihr initiiert und durchgeführt. Sie war alleinige Erbin des Vermögens Ottos und leistete in der Folge umfangreiche Stiftungen in Essen wie z.B. das Westwerk. Das Erbe ist vermutlich durch das griechische Kreuz symbolisiert/chiffriert. Die Abbildung zeigt die Übergabe das Erbes zwischen den Geschwistern und wird erst durch die Handbewegung Mathildes eine sakrale Stiftung. Dies kann nur eine Vermutung sein, erklärt jedoch die Abweichung von anderen Stifterbildern und erklärt die ungewöhnlichen Elemente befriedigend.

Hier stellt sich die Frage, in welchem Maße im Mittelalter zwischen einer Person und ihrem Amt differenziert wurde. Fraglich ist, ob die hier aufgeführten Unterschiede als alleiniger Beweis ausreichen, dass diese Differenzierung tatsächlich stattgefunden hat. Hier wäre eine tiefer gehende Recherche notwendig.

Wir hoffen, dass hier deutlich geworden ist, dass eine einfache Betrachtung von zeitgenössischen Abbildungen nicht ausreicht, um Rückschlüsse auf die Kleidung geistlicher Frauen im 11. Jahrhundert zu ziehen. Eine einfache Auflistung von Abbildungen kann nicht genügen, um zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen.

Thorsaie,

Poppiko und Heribert.

Quellen:
Beuckers, Klaus Gereon: Das Otto-Mathilden-Kreuz im Essener Münsterschatz. Überlegungen zu Charakter und Funktion des Stifterbildes, in: Bordarwé, Katrinette/ Schilp, Thomas (Hrsg.): Herrschaft, Liturgie und Raum. Studien zur mittelalterlichen Geschichte des Frauenstifts Essen (Essener Forschungen zum Frauenstift 1), Essen 2002

Falk, Birgitta (Hrsg.): Gold vor Schwarz. Der Essener Domschatz auf Zollverein. Katalog zur Ausstellung im Ruhr Museum, Essen 20. Oktober 2008 bis 11. Januar 2009, Essen 2008.

Bering, Kunibert: Kunst des frühen Mittelalters (Kunstepochen 2), Stuttgart 2002

Abb. 1: Otto Mathilden Kreuz; Source: Domschatzkammer Essen (Martin Engelbrecht)

Abb. 2: Bernward von Hildesheim und das Zeitalter der Ottonen. Dom- und Diözesanmuseum Hildesheim und Roemer- und Pelizaeus-Museum. Band 1. Hildesheim 1993.  Seite: 174  Abbildung: 60

Abb. 3: Romanische Wandmalerei im Alpenraum, Bozen (2004), Seite 142

Abb. 4: Poeschke, Joachim: Mosaiken in Italien 300-1300, 2009. Abb.018.

Abb. 5: Monreale. Die Kathedrale und der Kreuzgang., 1976, Abb. S. 66

Abb. 6: Anton von Euw: Vor dem Jahr 1000. Abendländische Buchkunst zur Zeit der Kaiserin Theophanu (Ausstellungskatalog: Köln, Schnütgen Museum, 12. Apr. – 16. Jun. 1991), Köln 1991, Abb. 23

Abb. 7: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hg.): Glasmalerei aus acht Jahrhunderten: Meisterwerke in Deutschland, Österreich und der Schweiz - ihre Gefährdung und Erhaltung., Ed. Leipzig Leipzig, 1997, S. 67

Abb. 8: Beuckers, Klaus Gereon (Hrsg.): Die Ottonen. Kunst, Architektur, Geschichte. (Darmstadt, 2002), S. 95


Mara

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Antw:Nonne 11.jhd
« Antwort #54 am: März 20, 2012, 15:38:57 Nachmittag »
Pkt. 1: wenn Ihr mal schmunzeln wollt - mittlerweile wird dieser Thread schon in anderen Foren als Quelle für Nonnendarstellungen im Mittelalter herangezogen... :D

Pkt. 2: ich habe mir jetzt mal nicht nur bunte Bildchen angeschaut, sondern mal gelesen. U.a. im Austellungskatalog "Krone und Schleier".
Die Benediktregel war seit der Karolingerzeit auch in Frauenklöstern adaptiert. (S. 41). Ich lese somit heraus, dass damit auch die Vorschriften der Kleidung übernommen wurden. Auf S. 184 wird kurz erwähnt, dass alle Frauenklöster, die sich der Benediktregel nicht unterwarfen eine eigene Regel bekamen (Aachener Reichssynode 816): die Institutio sanctimonalium (gelegentlich auch "Hieronymus-Regel" genannt). Vielleicht hat da ja jemand Informationen.

Es muss eine spezielle Klostertracht zumindest seit dieser Zeit gegeben haben, da (S. 43) der Kleiderwechsel auch bei Frauen ebenso wie das Scheren der Haare, die Übergabe eines Ringes als Zeichen der Vermählung mit Christus u.a. beschrieben werden.
"Das Frühmittelalter nennt als Erkennungszeichen des Eintritts den Kleiderwechsel... spätere Jahrhunderte machten die Übergabe des Schleiers zum Kennzeichen eines Eintritts."
Leider keine Aussagen über das Aussehen der neuen Kleider.

S. 44: "Neben der Schleierübergabe konnte vielerorts die Krönung zur klösterlichen Jungfrauenweihe gehören, vom 10. Jahrhundert bis zum Spätmittelalter. Die angehende Nonne wurde nach Profess (Gelübde) und Schleierübergabe vom Bischof mit einem Stoffkrönchen bekrönt, das mit Goldfäden und roten Kreuzen oder "Tropfen" verziert sein konnte. Die Krone wurde als Brautkrone anlässlich der symbolischen Vermählung mit Christus sowie als Dornenkrone gedeutet."

Auf S. 84 wird sogar noch deutlich gemacht, dass es in den Trachten von Nonnen und Laienschwestern (sog. Konversen) Unterschiede gab. Aber auch hier leider keine weitere Ausführung. Lediglich ein kurzer Satz zu den Frauenzisterzen, die "...dieselbe Ordenstracht wie die Konversen in Männerklöstern..." trugen. Meine Schlussfolgerung: Siehe Benediktregeln.

« Letzte Änderung: März 20, 2012, 16:17:52 Nachmittag von Mara »
LG Mara

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Jürgen

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« Antwort #55 am: März 27, 2012, 18:21:29 Nachmittag »
Ich habe heute beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Thierhaupten, nachgefragt. Der Dr. Czysz hat gemeint, daß die Gräber in Donauwörth im Rahmen einer Dissertation ausgewertet und publiziert werden. Das dauere ca. 5 Jahre.

Der Donauwörther Stadtarchivar Dr. Seuffert hat auch keine weitergehenden Daten als wie die Veröffentlichung in unserer Lokalzeitung.

Sorry, ist momentan eine Sackgasse.
Ich habe aber beiden Herren gedroht, mich alle 3 Monate zu melden und sie zu nerven, bis die Daten veröffentlicht sind.

Jürgen  >:D
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« Antwort #56 am: Mai 16, 2014, 08:07:33 Vormittag »
Guten Morgen!

Leider ist mein Scanner zu alt für WIN7, sonst würde ich den Artikel einscannen.
Laut Donauwörther Zeitung von heute sind die gefundenen Gräber keine Nonnen, sondern zwei Männer im Alter von 60 - 70 bzw. 50 - 60 Jahren.

Jürgen.
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Ollibert

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Antw:Nonne 11.jhd
« Antwort #57 am: Mai 16, 2014, 09:26:48 Vormittag »
Guten Morgen!

Leider ist mein Scanner zu alt für WIN7, sonst würde ich den Artikel einscannen.
Laut Donauwörther Zeitung von heute sind die gefundenen Gräber keine Nonnen, sondern zwei Männer im Alter von 60 - 70 bzw. 50 - 60 Jahren.

Jürgen.

Dieser Artikel: http://www.augsburger-allgemeine.de/donauwoerth/Keine-Nonnen-sondern-Maenner-id29860812.html ?

 :)
Lieben Gruß

Ollie

Mara

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Antw:Nonne 11.jhd
« Antwort #58 am: Mai 16, 2014, 10:55:10 Vormittag »
Klingt also eher nach Mönchen. Eadwin, das wäre dann dein Part!!!  :D
LG Mara

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Jürgen

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« Antwort #59 am: Mai 16, 2014, 11:10:56 Vormittag »
Ollibert: genau der.  :)
Ich schau trotzdem, ob ich den Bericht kriegen kann.

Jürgen
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