Autor Thema: Rekonstruktion nach Gimbel  (Gelesen 9257 mal)

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Christian F

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Rekonstruktion nach Gimbel
« am: Oktober 26, 2012, 16:37:20 Nachmittag »
bin gerade über ein sehr "kurioses" Foto gestolpert

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/42/Gimbel_6.jpg

Wobei der Versuch, dass geschlitzte Kettenhemd um die Beine zu binden hat was. Zumindest sieht es den Bildern auf dem Teppich sehr ähnlich

Die Quelle dazu hab ich auch gefunden

http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/ausgaben/thumbnailseite.html?fip=193.174.98.30&id=00067610&seite=62
« Letzte Änderung: Oktober 26, 2012, 17:46:55 Nachmittag von Eathwic »

Heinrich

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #1 am: Oktober 27, 2012, 00:09:24 Vormittag »
bin gerade über ein sehr "kurioses" Foto gestolpert

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/42/Gimbel_6.jpg

Wobei der Versuch, dass geschlitzte Kettenhemd um die Beine zu binden hat was. Zumindest sieht es den Bildern auf dem Teppich sehr ähnlich

Die Quelle dazu hab ich auch gefunden

http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/ausgaben/thumbnailseite.html?fip=193.174.98.30&id=00067610&seite=62

Herr Aerik hat mal an sowas experimentiert. Sein Fazit: Untragbar.

Davon abgesehen ist es keine Primärquelle...  >:D
Beste Grüße,

Herr Heinrich

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Norbert

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #2 am: Oktober 27, 2012, 11:57:25 Vormittag »
So, wie der die Augen aufgerissen hat, kneift das Ding doch mächtig im Schritt!!! :D
Norbert

Gaewfric

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #3 am: Oktober 27, 2012, 12:50:20 Nachmittag »
Herr Aerik hat mal an sowas experimentiert. Sein Fazit: Untragbar.

Ich halte es nicht für untragbar und der Teppich suggeriert eben genau diese Tragweise. Es ist sicher nicht damit getan ein geschlitztes KH einfach zusammenzubinden. Das KH muss schon dafür gemacht sein, es so zu tragen. Auf diese Weise wären bei Infatristen zumindest die Innenseiten der Oberschenkel gegen Verletzungen geschützt. Und dort laufen bekanntermaßen wichtige Blutgefäße. Die Tragweise ist also sehr sinnvoll. Ich würde das nicht so abtun.


Jorg Keilerson

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #4 am: Oktober 27, 2012, 13:13:47 Nachmittag »
tja, was ist A? was war A?
Ist das Teppich so gut hingestellt das man diese tragart glauben muss?
Dann können wir unsere Ketten auch mit viel grösere Ringen dastellen.

Ich verstehe Gaewfric's Antwort, aber mach gerne eine Fragezeigen  ???

Jorg
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Norbert

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #5 am: Oktober 27, 2012, 13:17:45 Nachmittag »
Dazu könnte man ja einfach mal ( ;)) ein paar Experimente machen: Ein Kettenhemd mit seitlich eingesetzten Geren, so dass es nicht so kneift, Ein Kettenhemd, mit über die Schlize hinaus gehenden Ketten, die zusammengebunden eher brauchbare "Hosenbeine" ergeben - dadurch müsste sich auch direkt eine Öffnung im Schritt ergeben, so dass man auch einen Direktzugang an die Bruche hat.
Ich denke mal, die zweite Variante ist geschickter, aber das ist ja nur Theorie , nicht Praxis.

Also, wer möchte sich testweise zwei (oder mehr) solcher Kettenhemden machen, um dann über die Ergebnisse zu schreiben?

(das mit der praktischen Umsetzung ist zwar nicht ganz ernst gemeint, aber die theoretische Auseinandersetzung schon eher!)
Außerdem habe ich da gelesen, dass die Ringe auf Leder aufgenäht waren . . .
Norbert

Gaewfric

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #6 am: Oktober 27, 2012, 15:14:20 Nachmittag »
Außerdem habe ich da gelesen, dass die Ringe auf Leder aufgenäht waren . . .

Auch das erscheint mir durchaus logisch. Natürlich nicht jeder einzelne Ring, aber dass ein Kettenhemd über etwas aus Leder getragen, oder sogar auf eine lederne Tunika aufgenäht war, erscheint mir sinnvoll und logisch. Ich habe ja selbst die Erfahrung gemacht, dass Leder unter der Kette das perfekte Materiel ist. Ich habe ja einen "Gambesson" aus Filz mit Lederbesätzen an den relevanten Stellen. Das ist wesentlich dünner, als gestopfte Leinengambis und schützt trotzdem sehr gut. Das Leder schützt besser als Leinen vor Abrieb und beim An- und Ausziehen rutscht die Kete besser über Leder, als über Leinen.

Oh das erscheint mir ein hervorragendes Thema für eine Diskussion zum Winterbankett.

Ollibert

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #7 am: Oktober 27, 2012, 15:22:08 Nachmittag »
Dazu könnte man ja einfach mal ( ;)) ein paar Experimente machen: Ein Kettenhemd mit seitlich eingesetzten Geren, so dass es nicht so kneift, Ein Kettenhemd, mit über die Schlize hinaus gehenden Ketten, die zusammengebunden eher brauchbare "Hosenbeine" ergeben - dadurch müsste sich auch direkt eine Öffnung im Schritt ergeben, so dass man auch einen Direktzugang an die Bruche hat.
Ich denke mal, die zweite Variante ist geschickter, aber das ist ja nur Theorie , nicht Praxis.

Außerdem habe ich da gelesen, dass die Ringe auf Leder aufgenäht waren . . .

Æriks Experimente bezogen sich hauptsächlich auf den Gambi, den er in der Form mit geschlossenen Beinen nicht praktikabel umsetzen konnte, bis zum Kettenhemd sind die Experimente nie gekommen.

Norberts Variante mit den an den Schlitzen angesetzten Kettenteilen hört sich ziemlich gut an.

Die Annahme, dass "Ringpanzer" aus auf Leder aufgenähten Ringen bestanden, habe ich auch schonmal gelesen, das muss wohl eine allgemeingültige Annahme um die Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert gewesen sein (die Quelle stammt ja ebenfalls aus dieser Zeit). Für diese Annahme gibt es nur überhaupt keine Anhaltspunkte und ich meine, heutzutage gilt sie auch als widerlegt.

In der Diskussion darum, dass die Schlacht von Hastings wahrscheinlich gar nicht in Battle, sondern in der Nähe von oder in Crowhurst stattgefunden hätte, haben Experten bereits behauptet, sie könnten auf dem Teppich sogar landschaftliche Details feststellen, die eher für Crowhurst als für Battle sprechen würden. Von daher und auch von der detailgenauen Darstellung anderer Dinge wie z.B. von Kochstellen oder ähnlichem, sollte man den Teppich zumindest nicht unterschätzen.

Sollte es jedoch diese hosenbeinartige Form von Kettenhemden wirklich gegeben haben, kann man wahrscheinlich davon ausgehen, dass es sowohl diese als auch die herkömmliche Form gegeben hat. Beispielsweise werden ja auch gegen Ende der Schlacht Kettenhemden über den Kopf der Toten ausgezogen, was eindeutig gegen eine Overallvariante spricht (evtl. halt Verschnürung am Bein).

Die oft genannten Quadrate auf der Brust der Kettenhemdträger kämen beispielsweise auch als Verschluss der Hemden in Frage, so dass man z.B. in die Hosenbeine als erstes steigt, das Hemd hochzieht und über die Arme streift, eben wie bei einem Overall und dann vor der Brust verschließt. Und da der Reißverschluss eindeutig fehlte, wohl dann eben einfach mit einem klappbaren Stück Kettengeflecht. Vorstellbar wäre es, nur gibt es außer der Hosenbeindarstellung auf dem Teppich keinerlei weitere Anhalspunkte dazu.

Lieben Gruß

Ollie

Christian F

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #8 am: Oktober 28, 2012, 09:04:37 Vormittag »
dazu kommt noch, dass die Kettenhemden, die auf dem Teppich auf eine Stange gehängt sind, ganz normal aussehen. Trotzdem fand ich diese "Overalls" auf dem Teppich schon immer nachdenkenswert.

Heinrich

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #9 am: Oktober 28, 2012, 09:33:30 Vormittag »
@Haderic: Der Teil mit der Overall Diskussion hätte ein eigenes Thema (in der passenden Kategorie) verdient oder nicht? Kann es sogar sein, dass es dazu schon einen Thread gibt?
Beste Grüße,

Herr Heinrich

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michael_k

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #10 am: Oktober 28, 2012, 13:21:11 Nachmittag »
Ich habe das Thema wie gewünscht abgetrennt.

Einen Thread dazu gab es bisher nicht soweit ich sehen kann, aber das Thema wird hier nebenbei angesprochen:

http://www.ffc1066.de/foren/index.php?topic=133.msg3206#msg3206

Heinrich

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #11 am: Oktober 28, 2012, 13:26:13 Nachmittag »
Ich habe das Thema wie gewünscht abgetrennt.

Einen Thread dazu gab es bisher nicht soweit ich sehen kann, aber das Thema wird hier nebenbei angesprochen:

http://www.ffc1066.de/foren/index.php?topic=133.msg3206#msg3206

Danke!
Beste Grüße,

Herr Heinrich

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Karl

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #12 am: Oktober 29, 2012, 13:17:42 Nachmittag »
Also ich bin ja immer für bekloppte Dinge zu haben und ich finde dieses Thema sehr spaßig.
Auch würde ich das gerne im Feldversuch sehen und ausprobieren.
Aber ganz ehrlich, ich glaube an diese Kettenhemd-version nicht.

1. Auf dem Teppich sind auch die Menschen die eine Tunika mit Reiterschlitz tragen so abgebildet das die diese nur auf den Beinen fällt.

2. Es fehlen einfach mehr Belege, seien es Abbildungen oder Funde.

3. Da die Art und Trageweise der Rüstungen oft der Kleidung der Epoche gleicht, bzw. man diese in Zusammenhang stellen kann, es fehlt auch hier ein passender Vergleich eines ähnlichen Kleidungsstückes...


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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #13 am: Oktober 29, 2012, 17:14:36 Nachmittag »
Ketten- Overall:
Es gibt hierzu bereits "Rekonstruktionsversuche" in Frankreich. Hastings 2000 und 2006 gab es diese Rüstungen auf dem Schlachtfeld und ich bin mir sicher, dass es in unserer Allianz mindestens eine Person gibt, die ihre Erfahrungen zu dieser Rüstungsinterpretation aus erster Hand zum Besten geben könnte....wenn er es denn will....

Unterm Strich stimme ich Erkenwulf zu: Es gibt keine weiteren Darstellungen geschweige denn Funde zur im Teppich dargestellten Rüstform. Somit ist hier eine ikonographische Betrachtung des Teppichs genau wie bei den bunten Pferden unerläßlich.

Im Übrigen: Die Person, die ich oben ansprach, trägt sein Kettenhemd seit längerem schon in der uns normalen Tragweise....und er wird wissen, warum;-)

Aber spaßig ist das Thema dennoch allemal! :D
Haec tantum saevit in hostes: Aut Pax aut Bellum!
____________________________________

Alberic

  • Gast
Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #14 am: Oktober 30, 2012, 17:49:45 Nachmittag »
Vielleicht ist es sogar noch einfacher, und es gab einfach wesentlich mehr Variationen eines Kettenhemdes? Jedem Rüstungsschmied seine eigene Handschrift. Fließbänder und Fabrikware kamen erst wesentlich später, würde ich meinen. Aber darüber läßt sich ausgezeichnet vabulieren. ;)