Autor Thema: Rekonstruktion nach Gimbel  (Gelesen 9660 mal)

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Dankrad

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #15 am: November 01, 2012, 00:05:07 Vormittag »
Nun, der Teppich ist nicht die einzige Dartsellung solcher "Overalls", im Hortus Deliciarum um 1190 rum gibts die auch. Klar, 12. Jh und nicht 11. Jh, aber die Darstellung ist ähnlich. An einem anderen Ort im Hortus zeigen sie dann wiederum die normale Tragweise...









Noch ein paar Handschriften mit Kriegern 11. Jh

11. Jh http://www.e-codices.unifr.ch/de/bge/lat0357/203v/medium
11. Jh http://www.e-codices.unifr.ch/de/bge/lat0357/236r/medium
2. Viertel 11. Jh http://www.e-codices.unifr.ch/de/csg/0863/77/medium
3. Viertel 11. Jh http://www.e-codices.unifr.ch/de/csg/0135/395/medium
11. Jh Messer: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b84272311/f185.item
11. Jh http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b550059715/f22.item
11. Jh http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b550059715/f66.item
11. Jh http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b8432314k/f224.item
11. Jh http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b52000516z/f49.item
Feb 1066 http://www.bl.uk/manuscripts/Viewer.aspx?ref=add_ms_19352_f192v

Heinrich

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  • Perfer et obdura: multo graviora tulisti!
    • Der Hessische Ritterbund
Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #16 am: November 01, 2012, 11:21:51 Vormittag »
Nun, der Teppich ist nicht die einzige Dartsellung solcher "Overalls", im Hortus Deliciarum um 1190 rum gibts die auch. Klar, 12. Jh und nicht 11. Jh, aber die Darstellung ist ähnlich. An einem anderen Ort im Hortus zeigen sie dann wiederum die normale Tragweise...

Ich beziehe mich jetzt nur auf die drei Bilder hier im Thread:
Bei Bild Nummer 1 (von oben nach unten) könnte man auf eine solche Idee kommen, jedoch kann ich in Bild 2 nur mit gutem Willen und in Bild 3 gar keinen Kettenoverall (KO) erkennen. Zumal in Bild 3 die Tuniken unter den KHs herauskommen - bei einem KO wäre dies gänzlich unmöglich.

Bild 1 und Bild 2 sind auch noch aus anderen Gesichtspunkten zu betrachten: Die Krieger hier tragen Ketten an den Beinen. Da ich viel mit der Reiterei zu tun habe und dort gerne mal Kettenbeinling (KB) getragen wird kann ich aus Erfahrung Folgendes beitragen. Ein KB verhält sich optisch exakt so wie in Bild 1 zu sehen. Er liegt an Wade und Schienbein recht eng an und wird oberhlab des Knies durch eine Schnur oder einen Riemen gehalten. Der Oberschenkel wird weniger elegant verhüllt, hier bildet sich der KB eher sackartig aus, erstrecht wenn der Gürtel der KB schon ein wenig gerutscht ist. In Verbindung mit einem kurzen KH kann es zu einer solchen Optik wie in Bild 1 kommen.
Bedenkt zudem, dass der Zeichner dieser Bilder in der Regel ein Mönch war, der kein Modell vor sich stehen hatte sondern aus der Erinnerung bzw. nach Beschreibung zeichnen und malen musste.
Wir haben diese KO-Variante auch schon mit der Reiterei besprochen und der Tenor war: aus reiterlicher Sicht nicht einsetzbar! Werder von Gesichtspunkt des Tragekomforts, noch von der technischen Verwendbarkeit in der Reiterei.
« Letzte Änderung: November 01, 2012, 22:12:49 Nachmittag von Heinrich »
Beste Grüße,

Herr Heinrich

Seigneur de Saint-Léger-aux-Bois
Veteran des Wimpel VI "L'Infanterie Hessois" und Lieu-Tenant des III. Pennon "Hassia"

Vive la Normandie! Thorsaie! Tout ou rien! Pro Honore Militia Hassia!

arduum res gestas scribere

Dankrad

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #17 am: November 01, 2012, 21:19:06 Nachmittag »
Hoi Heinrich
Genau. Also, nur um das richtigzustellen, ich kann mir auch keine Overalls vorstellen, gehe also absolut mit dir einig. Die Antwort war so gemeint ;-) Ich bin der Meinung dass das einfach eine spezielle Art der Darstellung ist. Normalerweise kann man ja relativ schnell sehen welche Darstellung eher auf das Unwissen des Zeichners zurückzuführen ist...

Was ich in dem Kontext spannend finde sind Zeichnungen welche offensichtlich von den Schreibern ausgeführt wurden. Diese sind normalerweise sehr rudimentär (für die Illustrationen hatte man ja einen Spezialisten). Deshalb beschränken sie sich oft aufs Wesentliche, was einem fast mehr sagen kann wie eine manieristische künstlerische Ausschmückung...

Comte de Boulogne

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #18 am: November 01, 2012, 21:32:21 Nachmittag »
Hallo Dankred,
vielen Dank für die Links, da sind zwei dabei die ich noch nicht kannte.
Vorallem das Bild mit der Messerscheide ist unbezahlbar.

Vielen Dank
Gruoss
Eustache II, Comte de Boulogne,
Gernobatus
der Uhl


Gerald der Uhl zu Wilhaim
Ehrenherr der Südstaaten
Seigneur de Canehan
Maréchal des Logis, jadis
Maréchal des Arms, jadis

Die Zukunft von heute ist morgen schon die Vergangenheit.

www.wilhaim.de

Dankrad

  • Gast
Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #19 am: November 01, 2012, 22:15:10 Nachmittag »
Hoi Gerald

Gern geschehen, freut mich. :-) Ich dachte ich stelle einfach mal rein was ich bis jetzt so gefunden habe. Wenn ihrs schon kennt gut, und wenn nicht, auch gut ;-)
Irgendwann hoffe ich dann mal von der Recherche in die Umsetzung zu kommen...

Grüessli,
Dankrad

Jaxa

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Antw:Rekonstruktion nach Gimbel
« Antwort #20 am: November 13, 2012, 23:14:08 Nachmittag »
danke
das ein oder andere kannte ich auch noch nicht

jaxa
Whoever makes shoddy beer, shall be thrown into manure - town law from Gdańsk, XIth century.

"Im allgemeinen sind die Slawen schnell angriffsbereit und jähzornig. Gäbe es unter ihnen nicht die durch Aufteilung in eine Vielzahl von Stämmen hervorgerufene Uneinigkeit, könnte sich kein Volk mit ihnen messen."
(Ibrāhīm ibn Yaʿqūb/ca.973)