Autor Thema: Klingen härten  (Gelesen 5668 mal)

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Andreas

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Klingen härten
« am: Oktober 31, 2012, 18:16:27 Nachmittag »
Hallo Schmiedeprofis,

ich bin gerade dabei ein paar Klingen zu schmieden. Das klappt soweit ganz gut.

Nach dem Schmieden habe ich die Klingen zum bearbeiten weich geglüht. Da ich eine glänzende Klinge herstellen wollte habe ich diese poliert. Das Problem beim Härten war, das sich eine Zunderschicht auf der Klinge gebildet und das polieren somit für den A... war.
In heutigen Zeiten verwendet man einen Härteschutz Lack.

Aber was hat man vor 1000 Jahren verwendet?. Oder werden die Klingen erst nach Härten und Anlassen poliert?

Andreas

Jürgen

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Antw:Klingen härten
« Antwort #1 am: Oktober 31, 2012, 19:40:48 Nachmittag »
Japanische Klingen werden vor dem Härten unterschiedlich dick mit Lehmgemisch (Holzkohle, Ton und Quarzsand fein zerrieben und mit wenig Wasser zu einem Brei verrührt) bestrichen.
Das sorgt für die unterschiedlichen Härtegrade von Klinge und Klingenrücken.

Kann dir leider die Quelle nicht einscannen, da mein PC defekt ist und ich am Arbeits-Laptop sitze.

Jürgen
Fabricati Diem, Punc!

Andreas

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Antw:Klingen härten
« Antwort #2 am: Oktober 31, 2012, 23:05:24 Nachmittag »
Wird die Klinge dann mit dem "Brei" abgeschreckt?

Egbert

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  • Wimpel IX "Südstaaten"
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Antw:Klingen härten
« Antwort #3 am: Oktober 31, 2012, 23:18:32 Nachmittag »
soweit  ich mich erinneren kann ja, ich poliere erst nach dem härten
TREU UND REIN, MIT SOLCHEN HERZEN IN SCHLACHTEN WIR ZIEHN.
UM UNBESCHADET NACH HAUSE ZU GEHEN, WO IMMER DIES AUCH MAG SEIN.
HURAAAY

Jürgen

  • Combattant
  • Wimpel IX "Südstaaten"
  • Beiträge: 687
Antw:Klingen härten
« Antwort #4 am: November 01, 2012, 08:24:10 Vormittag »
Morgen.

Nein, die Klinge wird mit dem Brei bedeckt, unterschiedlich dick. Am Klingenrücken dicker, an der Schneide weniger dick. Dann wird der Belag trocknen gelassen.
Die Klinge wird mitsamt dem trockenen Belag in die Esse gesteckt und auf die richtige Temperatur gebracht und dann in's Wasser oder Öl zum härten gesteckt. Der Belag sorgt für längere (= weicher) oder kürzere (=härter) Abkühlzeiten.
Danach wird dann erst poliert.
Quelle (m. E. nix für die Praxis, aber interessant zu lesen):
http://www.amazon.de/Japanische-Schwertschmiedekunst-Leon-Kapp/dp/3613306301/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1351753832&sr=8-1

Ich habe das Buch hier und kann's uneingeschränkt empfehlen; ich bin selber noch dabei, meine Esse etc. aufzustellen:
http://www.amazon.de/Schmieden-lernen-Lars-Enander/dp/3866309538/ref=pd_sim_b_6

Hier gibt's ein Video von Stefan Roth/Seelenschmiede; da kann man auch etwas Schmieden sehen.


Jürgen
Fabricati Diem, Punc!

Rotgerus

  • Sergens **
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  • Lieutenant I. Pennon
Antw:Klingen härten
« Antwort #5 am: November 01, 2012, 17:28:43 Nachmittag »
Hallo,
du kannst einfach dünnflüssigen Lehm um deine Klinge schmieren.
Die Lehmschicht verhindert die Oxidation des Metalls.
Du musst nach dem Weichglühen die Klinge von Zunder befreien
(Schleifband bis ca. 240 k).
Folgend schmierst du die Klinge mit Lehm ein.
--->Härten
Nach dem Härten die Lehmschicht durch schleifen entfernen.
Anschließend kannst du bis 600 oder 800er Körnung schleifen und danach im Backofen anlassen.
Nach dem Anlassen fängst du an ,die Klinge nass zu Polieren.
Früher hat man Natursteine verwendet, zerstossene Quarze und bestimmte Steine wie z.B auch heute noch verwendeten Belgischen Brocken.
Zudem gibt es aber auch Funde mit einfachen Holzbrettern, worauf Sand geleimt wurde.Es gab auch eine Technik mit Ölgebunden Schleifmitteln auf Stoffen.
Dieser gesamte Prozess des Schleifens ist früher sehr aufwendig und Zeitintensiv gewesen.
Deswegen gab es den "Schwertfeger", ein Eigenständiger Beruf, die sich nur mit dem Schleifen beschäftigt haben.
Jedoch habe ich vor einiger Zeit Im LWL-Museum in Herne einige Messer gesehen, bei denen nur der Schneidenbereich der Klinge geschliffen war.
Begründung:
Das Eisen ist sehr schwer somit auch teuer mit den damaligen Mitteln zu Schleifen.
Deswegen begnügte man sich mit dem Schleifen des Schneidenbereiches.
LG Nils :)

P.S. Dies ist keine Bibelaussage ,sondern aus probiern, Erfahrung und vielen Recherchen entwickeltes Wissen.
Mut ist, zu kämpfen! Auch wenn der Gegner übermächtig ist.

Andreas

  • Gast
Antw:Klingen härten
« Antwort #6 am: November 01, 2012, 18:37:52 Nachmittag »
Danke Nils,

das hilft weiter.

Andreas

Comte de Boulogne

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  • Gerald der Uhl zu Wilhaim
Antw:Klingen härten
« Antwort #7 am: November 01, 2012, 21:24:54 Nachmittag »
Servus,
meine Langsax (8.Jhd) habe ich auch erst geschmiedet und gerichtet, und bin jetzt am schleifen.
Kurz bevor sie scharf ist, kommt Lehm drauf und dann wird sie gehärtet und danach angelassen.
Anschließend feinschleifen und Schärfen, alles mit gutem nassen Sandstein, aus Norwegen.

ähm ganz richtig, das dauert ein paar Tage.
Nachdem ich das nur auf entsprechenden Lagern (8.Jhd) mach sind jetzt schon 2 Jahre rum.
« Letzte Änderung: November 01, 2012, 21:26:54 Nachmittag von Gerald der Uhl zu Wilhaim »
Eustache II, Comte de Boulogne,
Gernobatus
der Uhl


Gerald der Uhl zu Wilhaim
Ehrenherr der Südstaaten
Seigneur de Canehan
Maréchal des Logis, jadis
Maréchal des Arms, jadis

Die Zukunft von heute ist morgen schon die Vergangenheit.

www.wilhaim.de

Alex Z

  • Gast
Antw:Klingen härten
« Antwort #8 am: Juni 05, 2014, 20:51:20 Nachmittag »
Bin zwar viel zu spät, aber wirklich alles was man zum Schmieden, Härten, Anlassen wissen muss, und dazu jede Menge Hintergrundwissen, findet man in dem meiner Meinung nach besten Buch rund ums Schmieden "Die Kunst des Schmiedens: Das große Lehrbuch der traditionellen Technik"
Von Havard Bergland (Norweger)

Nur als Empfehlung... damit lernt man es wirklich gut.
Gerade das Härten ist fast schon Wissenschaftlich abgehandelt.
Die Materialkunde und die Farbtabellen sorgen auch für Aha- Effekte
« Letzte Änderung: Juni 05, 2014, 21:14:34 Nachmittag von Alex Z »