Autor Thema: Knochen- , Hasen- , Fischleim oder doch nur Ponal Wasserfest  (Gelesen 2882 mal)

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Johan

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Knochen- , Hasen- , Fischleim oder doch nur Ponal Wasserfest
« am: April 29, 2015, 21:06:48 Nachmittag »
Frage zum Verkleben der Schildbespannung :

Taugt Fischleim zum Verkleben von Leinen auf dem Schildkorpus ? Und vor allen Dingen , ist er wasserfest ??
Die gleiche Frage gilt den anderen oben genannten Leimen ... trotzen sie dem englischen Regen ?

Johan


Ollibert

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Antw:Knochen- , Hasen- , Fischleim oder doch nur Ponal Wasserfest
« Antwort #1 am: April 30, 2015, 00:00:17 Vormittag »
Hallo Johan,

die von dir genannten Leime gehören zusammengefasst zur Gruppe der Glutinleime. Dabei ist zu sagen, dass Hautleime elastischer sind als Knochenleim, also für das Verkleben einer Schildbespannung wohl besser geeignet. Glutinleime bekommt man wohl durch Zugabe von Alaun (10 %) oder ähnlich gerbenden Stoffen (von Formaldehyd ist auch häufig die Rede) einigermaßen wasserfest.

Grimbold hat ganz gute Erfahrung mit der Verklebung von Rohhaut mit Hautleim auf Schilden gemacht. Wahrscheinlich weiß er als Fachmann auch noch besser Bescheid. Ich selbst habe einen Rundschild mit Hautleim (mit Alaun) verklebt (die Bespannung und die Fessel) und bin bisher auch zufrieden. Hinzu kommt, dass ich nach der Bemalung immer alles nochmal mit Leinöl/Leinölfirnis behandele, was ja auch wasserfestigend wirkt.

Die Frage ist halt nur, wie du letztendlich deinen Schild baust. Wenn du tatsächlich nach Plankenbauweise vorgehst, würde ich dir auch zu einem historisch vertretbarem Leim raten, wenn es sich um einen Sperrholzkern handelt, kann es genauso gut Ponal sein.

Zusammengefasst, wenn du Erfahrung mit der Verarbeitung von Glutinleimen sammeln willst oder zumindest einen Großteil des Schildes möglichst "A" herstellen willst, wird das mit Fischleim bestimmt gut gehen. Letztendlich sieht beim fertigen Schild niemand den Unterschied und auch aufgrund der einfacheren Zubereitung/Handhabung könntest du auch zu Ponal greifen.

Ein nettes Video zum Thema Glutinleime und deren Verarbeitung: https://www.youtube.com/watch?v=8zHHmCEIKcQ Insgesamt finde ich einige Videos aus der Reihe recht hilfreich/informativ.



Lieben Gruß

Ollie

Rotgerus

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Antw:Knochen- , Hasen- , Fischleim oder doch nur Ponal Wasserfest
« Antwort #2 am: April 30, 2015, 19:45:45 Nachmittag »
Hallo,
Ollibert hat Recht! Grimbold und ich haben vor einiger Zeit eine Hornbogenarmbrust gebaut.
Für die Verleimung haben wir die zu verleimenden Kanten angeraut bzw. mit einem speziellem Hobel die Oberfläche maximiert, damit der Leim möglichst viel Haftung hat.
Benutzt haben wir dafür Hasenhautleim: Im warmen Wasserbad verflüssigt und 10 % Alaun beigepackt, ordentlich verrührt. Die zu verleimenden Flächen haben wir mit einem Heißluftfön erwärmt und folgend verleimt.

Das Endprodukt ist überraschend gut gelungen! Man könnte meinen, das Zeug wäre ein Epoxidharz oder ähnliches.
Wasserfest ist es auch: Ich selber hab mal ein flaches Stück aus dem Topf gekratzt und wieder in Wasser einweichen wollen---> ging sehr schlecht.
Wenn ich mich nicht irre, dann hatte Grimbold später auch in der selben Technik ein Plankenschild gebaut, welches extrem Robust ist.

Zur Verleimung des Leinens auf dem Schild selber, da kann ich dir nur raten das Leinen etwas anzufeuchten, weil es sonst sehr viel Leim aufnimmt. Am besten nimmst du auch Fischleim für diese Geschichte, weil du den Hautleim nur im warmen Zustand verarbeiten kannst. Du kannst doch einfach mal einen Versuch starten, indem du dem Fischleim 10% Alaun beimischst. Ich habe noch nicht mit Fischleim gearbeitet.
Wenn du das machst, dann Berichte uns von deinem Resultat! :)

LG
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