Autor Thema: Plausible Darstellung einer Magd  (Gelesen 35543 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Beatrice de Fallencourt

  • Gast
Plausible Darstellung einer Magd
« am: Mai 02, 2006, 18:16:36 Nachmittag »
Hallo liebe Kontingentlerinnen!

ich hoffe auch ihr habt das Trainingswochenende gut überstanden  ;D und seid alle nicht allzu gestresst wieder heim gekommen. :).

In diesem Thread wollte ich nur noch einmal etwas zum Thema "Darstellung einer Magd im Contingent" loswerden.
Mir ist an dem Trainingswochenende aufgefallen, daß viele von euch sich für die Darstellung nebst langem leinernen/wollenem Unterkleid ein um einiges kürzeres Überkleid (leinen/wolle) gemacht haben, oder aber im Begriff waren sich ein solches zu schneidern.
Bitte bedenkt, daß für eure Darstellung eigentlich ein Überkleid in der länge des Unterkleides richtig ist!!! Haltet bitte die Darstellung so einfach wie möglich, nehmt keine Stickereien, keine Borte, benutzt Kopftücher aus Leinen,nehmt keine Schleiertücher und haltet die Farben in einem angemessenem Ton.
Einige von Euch haben schon richtig klasse in ihrer Klamotte ausgesehen und ich hoffe, beim nächsten Pflichttermin ausnahmslos alle Kontingentlerinnen in einer guten Darstellung erblicken zu können  ;)

Ich weiß ja: Im Grunde sind wir ja eh alle Ladies  ;D ;D

Lone

Jupp

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #1 am: Mai 02, 2006, 18:49:15 Nachmittag »
Oh wie schön, das du daran gedacht hast liebe Lone!

Da tute ich mal ins gleiche Horn und kann folgende Tips für Mägte weitergeben:

• weite Ärmel sind doof, weil diese immer beim Kochen im Brei schlabbern
Macht euch die Ärmelbündchen relativ eng, aber noch so weit, das sie evtl. noch bis zur Mitte des Oberarms hinaufgeschoben werden können. Alternativ wäre auch bei engen Bündchen ein Schlitz (an der Naht) denkbar und ein kl. Bändchen womit der heruntergelassene Ärmel verschossen werden kann.
Ein hochschiebbarer Ärmel bekommt spätestens beim Teigkneten, Spülen (wenn es nicht eure Männer machen) oder sonstigen Matscharbeiten einen echten Sinn.

• Scheiertücher sind schwer zu bändigen. Auch diese schlabbern gerne dahin wo man sie net braucht. Sie sind eh nicht für das arbeitene Volk. Ein einfaches leinernes Kopftuch ist da idelal.

• Eine Schürze (Leinen) um den Bauch gewickelt ist ein unheimlich praktisches Kleidungselement. Man (Frau) versaut sich nicht das gute Kleid, es ist immer ein Tuch zur Hand um dich schnell mal die Hände zu trocknen und sie eignet sich bestens als Transporthilfe.

Klar ist, das eine einfache Magt wenig Farbe trägt. Eine farbige Ziernaht hier und da kann aber schon sein ...
Eure Kleidung ist halt angepaßt an die Arbeit.

Elli

  • Servante
  • Pennon II "Orientalis"
  • Tross
  • Beiträge: 668
    • Reenactment mit dem Franko Flämischen Contingent
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #2 am: Mai 03, 2006, 19:27:42 Nachmittag »
Ich hab mal eine allg. Frage zu den farbigen Ziernähten. Ich habe auf meinem blassgrünen Leinenkleid eine dunkelbraune Ziernaht aufgebracht, die ich persönlich sehr schön finde. Allerdings ist der Faden aus Wolle. Mir wurde jetzt allerdings zugetragen, daß ich nur Leinen auf Leinen verwenden darf. Ich bin allerdings nicht gewillt diese braune Ziernaht wieder zu entfernen. Also was muss ich deshalb in Zukunft beachten?
Es ist nicht Stolz, der mich treibt. Sondern eine andere Sünde. Schlimmer als andere Sünden, die aus unmittelbarer, heftiger Leidenschaft entstehen. Diese jedoch sitzt tief in einem drin und frißt einen ganz leise von innen auf. Es ist die achte Todsünde. Diejenige, die Gott vergessen hat.
- Hoffnung -

Jupp

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #3 am: Mai 03, 2006, 20:04:39 Nachmittag »
Nettes Gerücht ...
Demnach durchten dann Gold- und Silberlahn nur in entsprechenden Material versickt/verwebt werden  ;D

Ne mal im Ernst;
Meißt wurden In Wollgeweben auch Wollgarne verwand, das gleiche Prinzip natürlich auch bei Leinen (obwohl die Befunde für Leinengewebe sehr spärlich sind) und in Seide.
Es gibt aber auch Wollgewebe z.B. mit Seidenstickereien usw. ...

Cutani

  • Comtesse *****
  • Tross
  • Beiträge: 404
  • Maitresse de Cuisine
    • wilhaim
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #4 am: Mai 03, 2006, 21:04:30 Nachmittag »
Grüß Euch zusammen,
auch ich möchte mich dem Dank der Damenwelt anschließen, dass hier auch unsere Gewandung erörtert wird. Zur Darstellung der Magd hab ich als Neuling noch Fragen: Ist das Kleid der Magd gegürtet? Wäre figürlich für mich nicht so gut, aber man kann dann Messer und evtl. einen Beutel mit den lebensnotwendigen Kleinigkeiten sicher gut dranhängen (ich hab schon gelesen, nicht zu viel). Wenn gegürtet, was trägt Magd dann (Leder geknotet? Borte? Kordel?)? Darf das Kopftuch auch aus feinerer, naturfarbener Wolle sein? Ich stelle mir das Wetter im übelsten Fall vor, dann ist doch Leinen gleich klitschnass :(
So, ich hoffe, dass wir das alles noch auf die Reihe bekommen, mit den ganzen Gewandungen. Schon mal vielen Dank für die viele Hilfe und die Tipps, die wir schon bekommen haben und sicherlich noch bekommen werden. ::)
Grüße aus dem tiefsten Südbayern,
Kerstin
Ich bin nicht dick - ich brauche Platz für meine inneren Werte!

Jupp

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #5 am: Mai 03, 2006, 22:15:56 Nachmittag »
Hallo Kerstin,

nichts ist sooo wichtig, alsdas Frau es immer man Bauchgurt tragen müßte, außer evtl. ein Messer. Das erspart das ständige Suchen nach dem Ding bei der ewigen Küchenschnibbelei.
Unsere Weiber tüddeln die Messerscheide einfach an ihren Schürzen. Da wäre auch noch Platz für ein kleines Beutelchen für Zahnseide oder was sonst so Frauen meinen immer dabei haben zu müssen.
Geschickt darpiert baumelt der Beutel unter deiner Schürze und nichts ist zu sehen, alle sind glücklich und es herrscht Friede, Freude Eierkuchen.

Obwohl es "scheint" das eine Gürtung selten war, ist dies (besonders beim arbeitenden Weibsvolk) nicht auszuschließen. Eine einfacher Bindegürtel oder ein Brettchengewebe (musterlos) oder ein Wollbändchen (Fingerloop) kann ich mir gut vorstellen.

Dein Kopftuch kann natürlich aus Wolle sein. War es doch das Material der Wahl. Unser Herr Quatiermeister hat da extra für die Damenwelt was im Programm.

Beatrice de Fallencourt

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #6 am: Mai 05, 2006, 15:29:55 Nachmittag »
Also ich denke auch, daß man gegen eine Kordel als Gürtel nix sagen kann, klingt auch für mich ziemlich plausibel. Zu dem Kopftuch: Ich würde dir zumindest bei heißem Wetter ein leinernes Kopftuch empfehlen, da Leinen einfach kühler ist und es dann nicht so eklig anfängt zu kratzen  ;). Ich bin mit meinem Leinentuch dass ich unter dem Wolltuch trage immer sehr gut gefahren und kann es desshalb nur empfehlen.

Grüße Lone

Crysagon

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #7 am: Mai 10, 2006, 22:45:55 Nachmittag »
...jetzt wüßte ich doch zu gerne mal, woher diese Geschichte mit den Kopftüchern überhaupt stammt? Fantasy?
Bei der Durchsicht der zeitgenössischen ikonographischen Quellen (von denen uns Hezilo ja dankenswerterweise eine fast vollständige Aufstellung zur Verfügung gestellt hat) sind ausschließlich Schleiertücher zu sehen. Meist weiß, wenige farbig. Ausnahmen: einige Verruchte mit offenen Haaren und die Türhüterin des Hohenpriesters mit Zöpfen? oder Haarsträhnen? und einer "Batschkapp" (aus Nadelbindung?).

Elli

  • Servante
  • Pennon II "Orientalis"
  • Tross
  • Beiträge: 668
    • Reenactment mit dem Franko Flämischen Contingent
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #8 am: Mai 11, 2006, 00:43:32 Vormittag »
Ein Schleiertuch für eine Magd?
Es ist nicht Stolz, der mich treibt. Sondern eine andere Sünde. Schlimmer als andere Sünden, die aus unmittelbarer, heftiger Leidenschaft entstehen. Diese jedoch sitzt tief in einem drin und frißt einen ganz leise von innen auf. Es ist die achte Todsünde. Diejenige, die Gott vergessen hat.
- Hoffnung -

Manu

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #9 am: Mai 11, 2006, 08:33:22 Vormittag »
Guten Morgen,

ich muss Crysagon da schon recht geben. Belege gibt es keine. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, warum nicht Schleiertuch? Kann ja ein einfaches Tuch aus Leinen sein.
Das Schleiertuch kann zum Arbeiten nach hinten genommen und verknotet werden, dann stört es auch nicht, beispielsweise so:

http://www.per-saecula.de/index-Dateien/image4724.jpg

Liebe Grüße
Manu

Fritz

  • Ehrenmitglied
  • Beiträge: 225
  • Milites 1066
    • http://www.milites.de
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #10 am: Mai 11, 2006, 10:25:22 Vormittag »
Im Prinzip ist beides eh gleich, nur die Tragweise ist anders. Ich kan mir schon vorstellen das bei einer Magd ein um den Hals gebundenes, langes Schleiertuch schonmal in die Suppe hängen kann.

Vielleicht könnten die Damen die schon Erfahrung mit dem Tragen der Schleiertücher (welche ich übrigens wesentlich kleidsamer finde als ein Lappen um die Rübe, versuch ich meiner Süssen auch die ganze Zeit zu sagen) haben den "unerfahrenen" Damen und Mägden mal ein paar Tipps geben könnten wie man das Teil befestigt so das man es auch beim Arbeiten tragen kann...
Gruß
Friedrich van Wormsalt

-----> http://www.einfach-toll.com <-----

  • Beiträge: 3104
  • Sénéchal de Normandie
    • http://www.hastings1066.de
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #11 am: Mai 11, 2006, 16:45:32 Nachmittag »
Die Abbildungshäufigkeit von Mägden läßt im Allgemeinen schon zu wünschen übrig......

Mehr dazu im kommenden "Comment";-)
Haec tantum saevit in hostes: Aut Pax aut Bellum!
____________________________________

Hezilo

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #12 am: Mai 11, 2006, 20:37:31 Nachmittag »
Stimmt, die Häufigkeit ist gering. Dennoch bleibt die Frage von Crysagon berechtigt:
"...jetzt wüßte ich doch zu gerne mal, woher diese Geschichte mit den Kopftüchern überhaupt stammt?"
Gibt es denn irgendwo Hinweise genau darauf? Schleiertücher (also große Tücher) kennen wir. Kopftücher im heutigen Sinn nicht. Sollten bei dieser Indizienlage die Frauen der niederen Stände nicht das gleiche wie die Frauen in den Darstellungen tragen, eventuell nur aus billigerem Material (Wolle), statt etwas gänzlich unbekanntes dazu-zu-vermuten? Diese können dann ja ruhig, wie oben vorgeschlagen, hinter dem Kopf vertütelt werden um praktisch zu werden.

Natürlich bin ich schon dafür, das frau sich generell überhaupt ein Tuch umwickelt, bevor sie es ganz wegläßt. Solche Darstellungen sind nämlich zumeist "Spezialszenen" von prominenten Büßerinnen. Sie stellen Sondersituationen dar, die eben ganz deutlich nicht den Alltag einer ehrbaren Frau zeigen sollen.

Grüße
Hezilo


« Letzte Änderung: Mai 11, 2006, 20:40:56 Nachmittag von Hezilo »

  • Beiträge: 3104
  • Sénéchal de Normandie
    • http://www.hastings1066.de
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #13 am: Mai 11, 2006, 20:39:53 Nachmittag »
Vielleicht hat der Seneschal ja auch noch was in Petto?
Haec tantum saevit in hostes: Aut Pax aut Bellum!
____________________________________

Rollo

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #14 am: Mai 11, 2006, 21:30:15 Nachmittag »
Hiho,

also..., die Geschichte mit den Kopftüchern würde mich auch interessieren  ;D
Aber mal eine ganz interessante These......
Im 11. Jhr. hat das Christentum im heutigen Westeuropa einen immensen Einfluss auf die Befölkerung. Sehr viele Sachen sind reglementiert. Einer ersten großen Bürokraten war Karl der Große...... Dieser Herr hatte für alles (auch unwichtiges) Vorschriften erlassen. Seine Nachfolger waren nicht minder eifrig im Bürokratisieren (deshalb meine viele Europäer auch, die Karolinger können nur deutsche gewesen sein...).
Nachdem die großen Klosterreformen (z.B. Cluney, Corvey) durchgeführt waren, gab es bestimmte Bekleidungsvorschriften. Das bedeutete z.B. das ein Bauer bestimmte Bekleidung nicht tragen durfte oder ein Mönch bestimmte Bekleidung zu tragen hatte, etc.... Auch ist irgendwo die Rede davon, das eine Frau ihr Haar zu bedecken habe......
So und das ist der Ansatz für eine Recherche, wer hat dieses aufgeschrieben, wann und hat derjenige konkrete Angaben gemacht wie das Haar zu bedecken ist.
Leider bin ich im Moment ziemlich ausgelastet um eine solche Recherche zu betreiben aber ich werde mich früher oder später um gewisse Capitulare kümmern, da mich Bekleidungsvorschriften schon immer ineressiert haben.