Autor Thema: Plausible Darstellung einer Magd  (Gelesen 36151 mal)

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Polle

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #15 am: Mai 12, 2006, 10:02:09 Vormittag »
Hallo,

ihr habt schon recht, die Haare müssen bedeckt sein.
Das geht nicht nur aus den Kleidervorschriften dieser Zeit hervor, das gebietet schon die "Mode" dieser Zeit.
Man hat sich ja sehr dem Klerus unterworfen, auch modisch, da war Züchtigkeit angesagt.
Sonst müssten wir auch nicht die Hand- und Fussknöchel verdecken - jedenfalls die Damen von Stand.
Das Volk solle züchtig gekleidet im Angesicht Gottel sein... was auch immer das heißen mag. (Laterankonzil 10irgendwas)
Guckt Gott einer Magd nur sonntags in der Kirche auf die Knöchel?


Bei einer Magd ist eine Kopfbedeckung einfach auch paktisch.
Beim Arbeiten hängen einem immer die Haare im Gesicht, fallen auch mal ins Essen oder werden ungebunden auch mal angesengt.

Es gibt ja selbst bei Mägden sowas wie Standesunterschiede.
Klar, dass es keine Abbildungen, Statuen oder andere Bildnisse von einfachen Mägden gab.
Wer wollte die denn schon an der Außenmauer einer Kirche sehen *gg* und von was sollten sie sich dieses Seelenheil erkauft haben?

Ein Schleiertuch ist wirklich sehr unpraktisch fürs Arbeiten.
Das ist eher was für den Gottesdienst - insofern man sich es leisten konnte als Magd.
Ob ihr als Magd soviel Leinen gehabt habt ist auch fraglich. Eher dünne Wolle. hmpf.


Zu den Nähten Leinen / Wolle.
Es kann natürlich jeder der will auch ein Leinengewand mit Wolle vernähen.
Nur sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man Leinen in der Maschine bei 40°-60° meist mal wascht.
Dann geht der Wollfaden ein und man bekommt ihn auch durch ausbügeln nicht mehr auf die benötigte Länge.
Also für immer einen zusammengezogenen Saum.
Nicht schön.
Ihr ärgert euch nur, wenn ihr das macht.

Viele Grüße

Polle


Beatrice de Fallencourt

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #16 am: Mai 15, 2006, 16:56:57 Nachmittag »
Natürlich kann man ein Schleiertuch hinten verknoten, wenn man arbeitet, aber ich denke auch, daß es schon sinniger ist ein normales Kopftuch zu tragen. Rollo, du hattest am We von einer Abbildung gesprochen.....hast du die irgendwie greifbar??

Mildred

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #17 am: Juni 10, 2006, 12:28:36 Nachmittag »
Thema Kopfbedeckung: ein Dreickecktuch zu schneidern wie im Kitguide beschrieben finde ich persönlich hmm... unglücklich. Das mag daran liegen dass ich mir gerade nicht vorstellen kann, wie das um meinen Kopf gewickelt wird ohne dass man noch Haare zu sehen bekommt.  Auf der alten Bronzetür des Augsburger Domes gibt es eine wunderbare Abbildung die sich da nennt: "hühnerfütternde Frau". (von 1065, wenn ich jetzt nicht ganz schief liege). Die sieht mir so aus als hätte sie so ca. 1,50m Stoff über dem Haupt verteilt. Nun meine Frage: wäre leichter Leinenstoff mit eben diesen Abmassen (+ / -) angebracht?
Danke für Eure Hilfe!

Pica

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #18 am: Juni 11, 2006, 21:00:49 Nachmittag »

Hast du die Möglichkeit, eine Abbildung davon hier im Forum 'reinzustellen?

Mildred

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #19 am: Juni 12, 2006, 05:44:03 Vormittag »
Ich schau mal ob das mit der Abbildung der "hühnerfütternden Frau" irgendwie geht. *mit technik nix am hut hab*

Meine bisherigen Recherchen zum Thema "Kopfbedeckung" zeigt bisher: nur Jungfrauen und u.U. Heilige wurden kopfbedeckungslos abgebildet. Bei einer halbwegs authentischen Darstellung würde ich das Haar immer bedeckt sehen wollen.  Es galt wohl als unschicklich, sieht man Haare und Haut .  Aber das ist jetzt nur so aus dem Ärmel geschüttelt; ich hab grad erstangefangen  mich mit der Materie zu beschäftigen! ;)

Viele Grüße!

Beatrice de Fallencourt

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #20 am: Juni 12, 2006, 08:24:30 Vormittag »
Hi ihr,
also ich benutze als Kopftuch (unter dem Schleiertuch) kein dreieckiges sondern ein rechteckiges Leinentuch (ca. 75cm * 115 cm).
Wie man das bindet ist schriftlich doch etwas schwerer zu erklären, deswegen würde ich mich beim nächsten Termin gerne zu einem "Leinentuchbindekurs für die moderne Magd" anbieten  :D ;). Wenn mans sieht ist es echt nicht schwer.....
Diese Tuchlänge ist von mir Lang- und Kurzhaar erprobt und für sehr gut befunden worden.

LG
Lone

Noch etwas: Tuchtragen ist PFLICHT! für alle Frauen im Contingent
« Letzte Änderung: Juni 12, 2006, 08:26:23 Vormittag von Beatrice de Fallencourt »

Jupp

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #21 am: Juni 17, 2006, 13:04:27 Nachmittag »
Es ist davon auszugehen das die mittelalterliche Frau ihr Haar so verdekte (nicht technisch, sonders sozialgeschichtlich gesehen) wie es z.B. altchristliche Religionen (Orthodoxe, Kopten usw.) es auch heute noch so halten.
D.h. mit dem einsetzen der monatlichen Hormonbelastung (Periode) bei der Heranwachsenen wird das Haupthaar bedeckt. In einigen Kulturkreisen dürfen unverheiratete Frauen/Mädchen ein Paar Haarsträhnen aus der Kopfbedeckung baumeln lassen. Ebenso brauchen die Pupies nicht ihren Hals verdecken. ...

Die mittelalterliche Bildsprache ist eine, die wir Laien heute weniger verstehen. Wenn aber eine Frau in einer Miniatur mit offenen Haaren gezeigt wird, dann handelt es sich fast immer um eine Heilige, oder eine Frau die zwar nicht heilig ist, aber in besonderem Maße Beachtung im religiösen Sinne verdient.

Polle

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #22 am: Juni 19, 2006, 12:39:59 Nachmittag »
Hi,

es gibt verschiedene Kleidervorschriften der Kirche aus dem 10. bis 12. Jahrhundert, die besagen, dass eine verheiratete Frau "züchtig" gekleidet zu sein hat. Das hat Ludwig der Fromme schon sehr früh erstmals beschrieben.
Sie soll mit ihren Reizen niemanden locken, außer dem Gatten, der sie ja auch ohne alles sehen darf :-)
"Jede Frau ist eine Eva und treibt den Mann mit ihren Reizen dazu, unbedacht zu handeln. So sollen die Reize verdeckt sein, die Augen niedergeschlagen und die Kleidung gemessen sein"

Es wird beschrieben, dass die Hand- und Fußknöchel, sowie die Haare bedeckt zu sein haben.

Bei unverheirateten Frauen müssen die Haare nicht zwangsweise gebunden und verdeckt sein, da sie ja noch "auf dem Markt" sind und zeigen müssen, was sie wert sind. Trotzdem wird angeraten die Haare zu verdecken, es ist Gottgefälliger.
Hier darf dann doch mal eine Strähne zu sehen sein.
Hach....

Allerdings dürfen diese Frauen auch nie alleine sein, sobald sie das heiratsfähige Alter erreicht haben.
Was wohl mehr für Frauen von Stand und Wert gilt, als für einfaches Volk.
Wenn sich einer eine einfache heiratsfähige Frau schnappt, dann wohl eher aus Lust, als aus Gewinnsucht denke ich.
_______________________

Wenn wir die Haare bedeckt tragen, ob Schleier oder Kopftuch, ist es glaube ich nicht schlecht, sie hochzustecken.
Bei langen Haaren einfach Zöpfe hochbinden oder Knoten machen, Tuch drüber und gut ist.
Dann ist alles bedeckt, es ist einfach zu machen und keiner kann sich wegen irgendwas beschweren.

Viele Grüße
Polle


Beatrice de Fallencourt

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #23 am: Juni 19, 2006, 14:21:42 Nachmittag »
Polle ich freue mich schon darauf dich mit Kopftuch zu sehen  ;D kann ich mir irgendwie garnicht vorstellen  ;D ;D.
Danke für den gelungenen Eintrag. Ich selbst trage ja Kopftuch wegen meiner (noch) kurzen Haare, da bin ich wirklich froh einige Mitstreiterinnen zu haben, die auch keine andere Wahl haben *lach*

LG
Lone
« Letzte Änderung: Juni 19, 2006, 14:23:56 Nachmittag von Beatrice de Fallencourt »

Polle

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #24 am: Juni 20, 2006, 18:37:00 Nachmittag »
:-p


genieße den Anblick, den gibt es nur einmal.
Mich schüttelt es schon beim Gedanken daran.

Mal was anderes, mir ist eben im Frauen Kit Guide ein Fehler aufgefallen.
Es wird beschrieben, die Cappae sollte aus einem Stück Stoff geschnitten werden.
Das hätte Erwürgen zur Folge *gg*

Die Cappae ist der historische Vorgänger eines Cape.
Der bestechendste Unterschied zwischen einem Mantel und einem Cape sind abgeschrägte Schulternähte.
Manche Mäntel haben Abnäher, aber ein Cape hat immer Schulternähte bis zum Rand.
Damit sitzt es gut und rutscht nicht nach hinten.

Der Begriff Cape kommt aus dem Englischen und wurde wohl (so lernt man es in Kostümkunde) von der Cappae
abgeleitet. Klingt für mich sehr logisch, denn das englische Cape ist lange Zeit genau so geschnitten.
Die vordere Öffnung kommt erst gegen Ende des 14. Jhd hinzu.

Kann man das bitte ändern?

Das erleichtert vielen das Tragen auf jeden Fall.
Wer schon seine Cappa fertig hat, kann ja nachträglich Schulternähte setzen.
Ihr könnt es auch lassen, aber wenn es euch zu sehr nach hinten zieht, ist das eine Hilfe.

Viele Grüße

Polle

Beatrice de Fallencourt

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #25 am: Juni 20, 2006, 19:55:59 Nachmittag »
Ich werde auf jeden Fall ein Foto davon machen  :D

Also ich habe meine Cappae schon fertig, allerdings hat sie keine Seitennähte.Jedoch hab ich einen wirklich hauchdünnen Wollstoff, der garnicht so viel Gewicht hat dass er mich runterziehen könnte  :D.

Ich würde allerdings auch jeder dazu raten Seitennähte einzuplanen, da es schon sehr frickelig war den Halsausschnitt umzunähen und Geraldine und ich schon daran gedacht hatten Seitennähte einzubauen, jedoch nicht wussten ob das "a" ist.

Gut, dann haben es die anderen hoffentlich ein wenig leichter.

Gruß
Lone

Pica

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #26 am: Juli 10, 2006, 23:06:27 Nachmittag »
Her die Hühnerfütternde Frau.

Hat jemand eine Idee betreffend der Kopfbedeckung?


Gerard

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #27 am: Juli 10, 2006, 23:48:51 Nachmittag »
...ich würde tippen.... auf ein Schleiertuch?

Knut an die Front!

lieben Gruß,

Achim

Gui de Treport

  • Gast
Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #28 am: Juli 11, 2006, 00:09:36 Vormittag »
Schließe mich der Meinung an.

Gui

Fritz

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Re: Plausible Darstellung einer Magd
« Antwort #29 am: Juli 11, 2006, 09:50:34 Vormittag »
Wahrscheinlich ein Zylinder oder eine Melone. Aber möglicherweise auch ein Schleiertuch.
Gruß
Friedrich van Wormsalt

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