Autor Thema: Bettkonstruktion  (Gelesen 13278 mal)

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Marcus

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Bettkonstruktion
« am: August 27, 2007, 21:49:37 Nachmittag »
Hallo alle miteinander,

hat jemand eine Anleitung zum Bau eines transportablen Steckbetts zur Hand? Oder zumindest ne kleine Fotosammlung und ein paar wirre Zahlen, aus denen eine solche ersichtlich ist?

Sie müsste im wesentlichen 4 Kriterien erfüllen:
a) weg vom Boden (wegen fließend Wassser im Zelt)
b) rückenfreundlich (für Jeanne)
c) kuschelig (für uns beide ;))
d) vorzeigbar, falls das Zelt offen steht (für das Contingent)

Wie sieht es denn mit Belegen für derartige Konstruktionen aus? Dass ich mir die beliebten Schnitzereien im Oseberg- oder Mammenstil und dergleichen an den (vermutlich vorhandenen) Eckpfosten besser spare, ist mir schon klar - mir geht es eher um die generelle Konstruktion. Was für Kompromisse kann man bezüglich der Authetizität eingehen, wenn das Zelt auch mal nen Spalt offen steht (rollbare Lattenroste statt nem Geflecht aus Haselnussruten zur besseren Transportierbarkeit)?

Mir ist durchaus klar, dass ein Strohsack zumindest b)-d) erfüllt - allerdings wirkt der sturzbachartige Regenfall in Eu noch ein klein wenig traumatisierend nach.
« Letzte Änderung: August 28, 2007, 20:23:41 Nachmittag von Marcus »

Andrew

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Re: Bettkonstruktion
« Antwort #1 am: August 28, 2007, 10:30:57 Vormittag »
Das Bett von Gokstad ist angenehm schlicht gehalten. Dessen verzierte Enden der Eckpfosten kann man sich auch sparen, ohne dass es der Konstruktion irgendeinen Abbruch tut. Es ist

a) hoch genugt, um einen Kleinwagen darunter zu parken
b) rückenfreundlich natürlich nur, wenn Ihr es entsprechend auspolstert
c) kuschelig: siehe b)
d) vorzeigbar, wenn Du ein einigermaßen geschickter Handwerker bist.

Nachteile:
Das Original besteht aus Buchenholz. Es ist entsprechend schwer und reisst bei dem unvermeidlichen Beiteln der Aussparungen schnell ein.
Die quer verlaufenden Latten sind in großen Abständen gelegt. Wenn Ihr die Originalmaße beibehalten wollt, solltet Ihr ordentlich auffüllen.

Grüße,
Andrew
« Letzte Änderung: August 28, 2007, 10:33:21 Vormittag von Andrew »

Jeanne

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Re: Bettkonstruktion
« Antwort #2 am: August 28, 2007, 11:30:21 Vormittag »
Also so ein Ding hier;-) (siehe Anhang)
Ich würde aber auch eher die Bretter weiter unten verzapfen wie im Original.
Ja das gefällt mir, ist schön einfach...
hätte man gleich in Eu bauen sollen, da gab es genug Bretter  ;)

Gruß Jeanne
« Letzte Änderung: August 28, 2007, 15:49:10 Nachmittag von Jean de Cognac »

Hatto von der Mole

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Re: Bettkonstruktion
« Antwort #3 am: August 28, 2007, 21:36:16 Nachmittag »
Hallo,

In der Karfunkel Juni/Juli 2007 war eine Bauanleitung für ein Reisebett. Allerdings Spätmittelalter (lt. Karfunkel).
Falls dennoch Interesse besteht kann ich gerne den kompletten Artikel und Bauanleitung zuschicken.
Vorteil (oder auch Nachteil?): Die Liegefläche besteht nicht aus Brettern sondern ist aus Seilen verspannt. (Platzersparnis  :) aber evtl. schlecht für den Rücken :-[   )      ???

Schöne Grüße
Sic semper tyrannis

Meum est propositum in taberna mori

Stefan_van_Duuren

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Re: Bettkonstruktion
« Antwort #4 am: August 28, 2007, 22:19:40 Nachmittag »
Seilgespannte Betten nutzen die Leute in Afghanistan immer noch - scheint zu gehen! Nur die Spannung macht´s - und AUf- und Abbau sind zeitaufwändig.

Johann von Lieck

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Re: Bettkonstruktion
« Antwort #5 am: August 28, 2007, 23:03:33 Nachmittag »
Also dieses Seilbett hatte ich auch mal. Im großen ganzen ganz praktisch, aber zu zweit eher ungünstig, außer man steht auf EXTREM-kuscheln und aneinander kleben ;) (was im heißen Sommer dann noch mal eher nervig sein kann) der Nachteil ist nämlich, das man immer in Richtung mitte rollt.
Wenn, dann wäre dabei zu beachten, das die Abstände zwischen den Seilen nicht zu groß ist (max. 7cm), da es sonst zu unbequem wird weil´s im Kreuz drückt und man spätestens nach der ersten Nacht durchhängt.

Ich persönlich tendiere aufgrund der bequemlichkeit eher zum Gokstad-Bett :D
 
pro deo et imperatore et duce!

Huscarl des Svend Tveskæg

Falke!

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Heinrich

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Re: Bettkonstruktion
« Antwort #6 am: August 28, 2007, 23:38:43 Nachmittag »
Moin,

ich kann Tjarske nur zustimmen, der "Bretter-Version" ist der Vorrang zu geben. Und auch Stefan hat recht, Seilkonstruktionen sind im Aufbau aufwändig. Man muß halt wissen, was man hat: Zeit oder Transportkapazität...  ;)

Wir werden unser HoMi-Bett mit neuen Kopf- und Fußteilen versehen und schon haben wir ein Bett für's Geteld...  :D

Apropos Geteld: weiß jemand wo ich ein ebensolches Gutes (und natürlich Günstiges, aber keinesfalls billiges) aus Leinen herbekomme? Ein Schönes, wie im Kitguide Abb. 2.5: Eadwine-Psalter.
Beste Grüße,

Herr Heinrich

Seigneur de Saint-Léger-aux-Bois
Veteran des Wimpel VI "L'Infanterie Hessois" und Lieu-Tenant des III. Pennon "Hassia"

Vive la Normandie! Thorsaie! Tout ou rien! Pro Honore Militia Hassia!

arduum res gestas scribere

Marcus

  • Gast
Re: Bettkonstruktion
« Antwort #7 am: September 07, 2007, 11:54:21 Vormittag »
@Zeltlekäufer: Das Thema lautet immer noch Bettenkonstruktion

@Moderatoren: Könntet ihr bitte das Thema hier entsprechend teilen?

@Jeannes Bilder:
Kommt mir das nur so vor, oder haben die das Bett falschrum zusammengebaut? Weil aus dem ehemaligen Bettkasten des Originals ist jetzt irgendwie eine fast ebene Fläche geworden. Da muss man ja fast befürchten, vom Strohsack in den Abgrund zu rollen/rutschen. Und der maximale "Sperrigkeitsindex" für unter dem Bett zu verstauende Sachen is auch kleiner.

Irgendwer ne Idee, ob es dafür triftige Gründe gibt - statische Überlegungen lass ich ohne gewichtige Argumente nicht gelten: Im Original gings ja anscheinend auch andersrum...oder überseh ich da was?

Gruß

"Arnulf"  ;)
« Letzte Änderung: September 07, 2007, 12:25:48 Nachmittag von Marcus »

Jeanne

  • Gast
Re: Bettkonstruktion
« Antwort #8 am: September 07, 2007, 12:29:00 Nachmittag »
... weil sonst das Mittellängsbrett nicht verzapft werden kann? ;)
 Das ist im Original ja nicht mit drin.
Bei den Brettabmaßen und der Leichtbaukonstruktion die da abgebildet ist,
müssen die Bretter dann entsprechend höher sein oder die Mittellatte raus.

Oder? Was anderes würde mir jetzt nicht als Erklärung einfallen. *grübel*
 
... ein "gewichtiges" Argument bist du alle mal *g*, zumindest was die Statik angeht :D.
*duck*

Was würdet ihr für Holzarten für die Bretter empfehlen, außer Buche?
Kiefer oder Fichte?
hm freue mich auf ein neues Bett juchuu...

Gruß Jeanne

« Letzte Änderung: September 07, 2007, 12:53:34 Nachmittag von Jean de Cognac »

Marcus

  • Gast
Re: Bettkonstruktion
« Antwort #9 am: September 07, 2007, 13:27:59 Nachmittag »
... weil sonst das Mittellängsbrett nicht verzapft werden kann? ;)
 Das ist im Original ja nicht mit drin.
OK, das hab ich tatsächlich übersehen.

Und mir fällt auch gerade noch die wichtigste Zweitverwendung als Sitzgelegenheit ein...das ist nich wirklich bequem mit nem hohen Seitenbrett, welches langsam die Blutzufuhr zu den Beinen abschnürt.
Zitat von: Jean de Cognac
... ein "gewichtiges" Argument bist du alle mal *g*, zumindest was die Statik angeht :D.
*duck*
wie kann ich Dir nur so ne Vorlage bauen *kopfschüttel*

Was die alternativen Holzsorten angeht: Ich hab mal ein wenig gestöbert (http://www.holzwurm-page.de/). Zumindest für die Eckpfosten (die hypothetisch auch mal ein komplettes Lager lang im Schlamm/Wasser stehen) würd ich was anderes nehmen. Denn sowohl Kiefer als auch Fichte sind extrem pilzanfällig.
Allerdings gibt es da nicht allzu viele handelsübliche einheimische Alternativen...ich glaub kaum, dass man im Bau-/Holzmarkt des Vertrauens Pfosten aus Lärche, Eibe oder Obstgehölzen bekommt. Da bleiben fast  nur Eiche und Esche übrig...was die ganze Sache wieder schwer macht.
Bei den ganzen Brettern sollte es Kiefer schon tun.

Gruß

"Arnulf"
« Letzte Änderung: September 07, 2007, 13:34:53 Nachmittag von Marcus »

Heiner

  • Ambassadeur
  • Beiträge: 599
Re: Bettkonstruktion
« Antwort #10 am: September 07, 2007, 13:33:04 Nachmittag »
@Zeltlekäufer: Das Thema lautet immer noch Bettenkonstruktion
Genau

Zitat
@Moderatoren: Könntet ihr bitte das Thema hier entsprechend teilen?
Aber gerne...
Keine Regel und kein Gesetz ist ewig, was aber ewig bleibt, ist Freundschaft und Glaube.

Ærik

  • Combattant
  • Wimpel VI "L'Infanterie Hessois"
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  • Pennon III
Re: Bettkonstruktion
« Antwort #11 am: September 07, 2007, 21:31:54 Nachmittag »
wenn ihr im Baumarkt steht und bei den Kiefer-brettern sonen Blauen Schimmer seht:
KAUFEN!!!
das ist Blauschimmel ungefährlich für Mensch und Tier aber schlecht für kleine Insekten und Pilze mögen sowas auch nicht!
Sekundarliteratur: Heimische Hölzer und ihre Anwenungen ... oder so

noch nen Tip Stirnseiten UNBEDINGT mehrfach mit Öl behandeln !!! dann zieht keine Feuchtigkeit ins Holz ein!

Ich lasse mich jetzt nicht aus welches Holz welche vorzüge hat, aber nehmt Kiefer oder Fichte machts vernünftig und baut in fünf Jahren das nächste Bett!
Die aus Eiche halten bei "Marktfahrerbeanspruchung" evtl. zehn und Kosten das vierfache!

Eirik
Es rettet uns kein höheres Wesen, kein Gott kein Kaiser noch Tribun. Uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun.

wolfram

  • Gast
Re: Bettkonstruktion
« Antwort #12 am: September 17, 2007, 13:11:32 Nachmittag »
Also liebe leute -bettenbauer
haltbare hölzer als bretter und pfosten aus lärche  sind eigentlich kein problem, gibt es zwar nicht im baumarkt, aber
im gut sortierten HOLZFACHHANDEL, ohne das man Apothekenpreise befürchten muss. zb lärche pfosten 9x9oder als glattkantbrett. 10,14 oder 19 cm breit. leider ist Lärche ziemlich harzig, also unbedingt sibirische nehmen. deswiteren könnt ihr durchaus auch eiche oder buche nehmen, sooo schwer ist das bei dieser konstruktion auch wieder nicht. Buche ist allerdings weniger wetterfest als fichte , die ich seit jahren nehme. auch das ausstemmen der zapfenlöcher iist eigentlich kein problem,
(hallo andrew) wenn man nicht zu brutal und mit richtigem scharfen werkzeug arbeitet. Ich bin zufällig  tischler und kein schlechter.
Falls ihr  aber den A-charakter betonen wolt, muss das holz nicht unbedingt exakt maschinell gehobelt sein . bei den seiten ein etwas ungerader brettverlauf  abgerundet aber sonst wie gewachsen sieht ganz reizvoll aus.
falls jemand also holz brraucht, biitte maße durchgeben, ich arbeite im holzfachhandel und helfe gern
grüße

Jeanne

  • Gast
Re: Bettkonstruktion
« Antwort #13 am: September 17, 2007, 13:38:38 Nachmittag »
@ Wolfram

Danke hm naja das halbe Bett ist am WE schon gebaut worden ;) aus typisch erzgebirgischer Fichte,
momentan sind wir noch ganz zufrieden. Bei dem nächsten Bett oder sonstige Bauobjekte kommen wir gerne auf das Angebot zurück;-) Die Pfosten werde ich mit Hand nacharbeiten, das sieht einfach schöner aus da hast du vollkommen recht. Bei den Brettern traue ich mich noch nicht so richtig heran, mal sehen da fehlt einfach die Erfahrung.

@Eirik

"Blauschimmel", mein Wassereimer hat solchen -> den wollte ich schon vernichten ;) gut zu wissen.
Danke für den Hinweis.

Gruß Jeanne



« Letzte Änderung: September 17, 2007, 13:41:36 Nachmittag von Jean de Cognac »

Sebastian

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  • Beiträge: 938
Antw:Bettkonstruktion
« Antwort #14 am: Mai 06, 2016, 09:56:08 Vormittag »
Hallo Holzwürmer,

ich weiß das Thema ist alt, aber für mich wieder aktuell.

Grob die Richtung für Betten in unserer Zeit bilden ja die Funde aus Oseberg (Bild1) und Gokstad (Bild2).
Frage 1: Habe ich sonst Alternativen? Funde? Ableitung aus Darstellungen?

Der bauliche Hauptunterschied sind die Beine am Kopfende. Einmal aus zwei Brettern, beim anderen aus Pfosten.
Frage 2: Bietet die Brettwariante die gleiche Standfestigkeit nach rechts/links wie die Pfosten? Kommt es dann nur auf die Keile an, dass es sicher steht?

Danke für die Mithilfe.
Gruß, Sebastian

PS: Über das Thema Bett ja oder nein in einem Reise-/Militärlager müssen wir nicht diskutieren. Da bin ich noch sehr gerne Bodenschläfer ;)

Bild 1: Oseberg


Bild 2: Gokstad
Sebastian - oder süß und saftig, Devise: Lächeln & Winken!

"Wir sind die Armee des Südens, stark an tausend Mann,
wir schlagen und stechen, wir feiern und zechen, uns keiner was anhaben kann"