Zum zweiten Mal war das Contingent nun im Archäologischen Museum in Frankfurt am Main eingeladen, die Besucher der Ausstellung “Die letzten Wikinger – Der Teppich von Bayeux und die Archäologie” lebendige Geschichte hautnah erleben zu lassen. Aber beginnen wir am Anfang…
Am Freitagabend kamen Josepha und Odo zu Melisendis und Heinrich und bezogen dort Quartier für die nächsten zwei Nächte. Es wurde scharfes Chili und ein leckerer Himbeer-Sahne-Nachtisch verputzt, die letzten Vorbereitungen für den nächsten Tag getroffen und dann machte sich Heinrich auf den Weg zum Nachtdienst…
…und als er mit frischen Brötchen zurück kam, war der große Tag gekommen. Ein ausgiebiges Frühstück und ein kurzes Nickerchen später ging es los Richtung Museum.
Dort angekommen wurde das umfangreiche Material aller Teilnehmer geschwind durch den Hintereingang gebracht und auf einem Haufen in der Römerabteilung abgelegt. Man konnte den Eindruck gewinnen, das halbe Contingent sei gerade angereist, so viele Tische, Hocker, Werkbänke, Materialien und Werkzeuge lagen dort. Nach einer kurzen Sondierung der Ausstellungsfläche wurde der vorhandene Platz verteilt und die Aufbauarbeiten begannen. Schon jetzt wurden interessierte Besucher auf uns aufmerksam und beäugten, was diese interessant gekleideten Personen da so machten. Als alles aufgebaut und jeder umgezogen und an seinem Platz war, schlug die Uhr zwölf und die Veranstaltung begann.
Die Fernwaffenabteilung hatte sich ein schönes Display arrangiert, wo Gaewfric an einem Eibebogen schnitzte, (Mo)Rhys den Bau von Pfeilen demonstrierte und Stefan Eck den Tillerbaum, die Werkzeuge und die Kunst des Bogenbaus erklärte. Das war die richtige Spielwiese für erwachsene Kinder und so mancher Mann hätte gerne einen Bogen und ein paar Pfeile „adoptiert“.
Comes Sizzo machte sich währenddessen daran, das Doomsday Book neu zu schreiben und mit seinem Skriptorium die Buchmalerei und das Schreiben mit der Feder für die Besucher „begreifbar“ zu machen. Pergament wurde sogar von einigen Kindern als Tierhaut identifiziert. Das war nicht unbedingt zu erwarten und machte die Eltern der Naseweise sichtlich stolz.
Ihm gegenüber hatte Odo seinen Stand errichtet und erklärte den jungen und alten Interessierten die Herstellung von Kettenhemden. Dazu hatte er verschiedenen Ausführungen von Geflecht dabei, die man auch gerne mal genauer unter die Lupe nehmen durfte. Erwachsene Besucher beeindruckten die Arbeit und der historische Gegenwert eines solchen Hemdes, während die Kinder das Gewicht und die Haptik bewunderten.
Andy Helfert präsentierte die Bandbreite des mittelalterlichen Schuhwerks und erklärte die Herstellung eines Schuhs von der Auswahl des richtigen Leders über die Veredlung des Fadens mit Bienenwachs bis zum Wenden des Schuhs mit Geduld immer und immer wieder. Man merkte, dass er das Schuhemacherhandwerk nicht nur als Darsteller und zum Broterwerb, sondern mit wirklicher Liebe ausführt. Wie im „richtigen“ Leben waren vor allem die Damen von der Geschmeidigkeit des Ziegenleders und der Schönheit der Schuhe und ihrer Verzierungen fasziniert, während die Herren eher praktische Fragen in den Vordergrund stellten und wissen wollten, wie lange so ein Schuh denn halten würde.
Konzentriert und sehr fleißig arbeitete Herr Hatto in seinem Display an einem Schild aus Lindenholzbohlen. Es war unglaublich zu sehen, was er in der Vorbereitungszeit für diesen Termin an Werkzeug und Hilfsmitteln herangeschafft und hergestellt hatte. Den Kindern machte es besonders viel Spaß, einen Klumpen glibberigen Leims anzufassen und herumzureichen, während ihre Eltern sich ekelten, als sie erfuhren, dass dieser Leim aus Knochenmehl, Haut und anderen Schlachtabfällen hergestellt wurde. „Igitt! Und unsere Kinder haben nun klebrige Hände von dem Zeug!!!”
Die Damen hatten sich eine „gefährliche“ Ecke für ihr Stickerei-Display ausgesucht. Sie wurden von einer Museumsaufseherin gefühlte zweitausend Mal darauf hingewiesen, dass hinter ihnen eine sehr alte und teure römische Vase stehen würde, die sie nicht umschmeißen dürften. Und auch die Kinder nicht. Oder die anderen Besucher. Also niemand. Da müsse man drauf aufpassen, auf die Vase. Damit man die nicht umschmeißt. Die wäre nämlich teuer. Und alt. Die Vase…
Als die gute Frau dann endlich beruhigt war, wurde ein Tisch mit Wolle und Seide in verschiedenen Farben sowie Stickereien des Teppichs aufgebaut. Wer wollte, konnte bei Melisendis den Bayeux Stich selbst ausprobieren, bei Indra Seidenstickerei bewundern, von Josepha umfassende Erklärungen zum Thema Handarbeiten erhalten oder Hela beim Sticken über die Schulter schauen. Ein Junge war irgendwann so ins Sticken vertieft, dass er gar nicht merkte, dass er bereits über 30 Minuten vor dem Stickrahmen saß und auch drei hyperaktive Rangen wurden auf einmal richtig ruhig und konzentriert. Die Mutter war mehr als überrascht.
Um den Besuchern die Kontaktaufnahme zu erleichtern und nahe zu bringen, wer wir sind und warum wir im Museum waren, führte Herr Heinrich Besuchergruppen zu allen Stationen, wo dann die Handwerker in kurzen Vorträgen ihr Handwerk erläuterten. Herr Heinrich selbst sprach zum Thema Schildbau und am Ende der dreiviertelstündigen Führungen entließ er die Besucher immer in die Obhut der Damen, da man dort ja die Möglichkeit des Mitmachens hatte. Zum Abschluss der Führungen gab es als Zugabe noch eine spontane Kinder-Sonder-Führung am Teppich.
Die Verantwortlichen des Museums zeigten sich sehr zufrieden und man fand es richtig toll, dass das Museum durch die Darsteller so lebendig war. Am frühen Nachmittag verabschiedete sich die Verantwortliche, Frau Maletschek, mit den Worten: „Ich geh‘ dann mal und lass‘ euch allein. Ich weiß ja, dass ihr wisst, was ihr erzählt.“ Ein Lob, was alle Anwesenden sehr freute.
Als sich der Tag dem Ende zuneigte, waren eine Menge Späne auf dem Museumsboden gefallen, viele Worte gewechselt, die von Frau Gelind mitgebrachte Pastete und der Kuchen dezimiert und alle Teilnehmer zwar schon ein wenig erschöpft, aber sehr zufrieden. Die Besucher hatten beim Verlassen des Museums an der Kasse mehrfach die Kompetenz und die Freundlichkeit der FFC’ler gelobt und so konnte man zu Recht stolz auf den Auftritt sein. Genauso schnell wie sie gekommen waren säuberten die Reenactor das Museum, packten zusammen und verluden das Material wieder.
Der Abend wurde dann bei Gerlind und Linnhard bei Pizza, Pasta und Bier ausklingen lassen. Aber es wurde nicht einfach gefeiert, nein, es wurde auch noch gearbeitet. Bis tief in die Nacht wurde über den neuen Kitguide diskutiert, Meinungen ausgetauscht und Bücher gewälzt. Die spinnen, die vom FFC…
Bericht von Herrn Heinrich
Bildrechte für alle Fotos:
Tessa Maletschek, Archäologisches Museum Frankfurt
(Aufnahmen während der Veranstaltung „1066 – Handwerker für den Herzog“ am 20.2.2010
im Archäologischen Museum Frankfurt im Rahmen der Ausstellung „Die letzten Wikinger.
Der Teppich von Bayeux und die Archäologie“)