Und also begaben wir uns auf den langen Weg nach Norden, um ein zweites Mal dort zu lagern, wo wir schon im vergangenen Jahr so viel Schönes erlebt hatten.
Herzberg ist ein fester Programm-Punkt in unserem Kalender und wird es auch bleiben. Gründe gibt es genug dafür, angefangen von einer (beinahe) allgegenwärtigen Orga, bis hin zu einer gesunden Mischung aus guten und weniger guten Darstellungen. Wir sind uns ja im Klaren, dass reines Museum kein Geld einbringt.
Die ersten Contingentler kamen schon am Freitag, um beim Aufbau zu helfen, und einige reisten auch am Samstag und Sonntag an. Wir trafen am Montagnachmittag ein, bauten auf und genossen erst einmal eine ruhige Woche mit Gleichgesinnten. Schön, dass Uhls unablässiges Reden bezüglich der Anachronismen langsam Wirkung zeigt und wirklich fast nichts mehr im Lager herumstand, was das Franco-Flamen-Auge beleidigen könnte. Ab Mittwoch setzte dann ein reger Zustrom an Akteuren ein, was dem Lager ein wenig die idyllische Ruhe nahm. Die schnell wachsende Anzahl an Kindern lässt für die Zukunft des FFC hoffen, sofern sie nicht von rasenden Autos wieder dezimiert werden. Vielleicht sollten sich die Leute ein bisserl besser an Regeln und die geforderte Schrittgeschwindigkeit halten, zumal die nasse Wiese ziemlich rutschig war.
Der Donnerstag-Abend gipfelte im Südamerika-Reenactment und einer genialen Caipi-Party. Ausnahmsweise hatte der Uhl mal nichts gegen Plastikbecher einzuwenden.
Der Samstag erfuhr mit der Änderung der Schlacht-Orga ein Novum – nach dem Ausschluss letztes Jahr durfte/sollte das FFC heuer die Organisation der Schlacht übernehmen. Soweit ich als Trossi das beurteilen kann, ist ihnen das auch gut gelungen. Natürlich gibt es Verbesserungsmöglichkeiten, es ist keiner als Profi geboren. Aber Gawan und Stefan haben ihre Sache als Moderatoren für’s erste Mal gut gemacht. Einzelheiten wie die „Brückenspringer“-Aktion kommen immer wieder mal vor und stellen die Schutzengel vor eine größere Aufgabe. Aber gerade die improvisierten Teile der „Schlacht“ haben auch für den Zuschauer ihre Reize, und so freuen wir uns, dass nichts Schlimmes passiert ist. Protestaktionen gibt es überall, ob aus Opportunismus oder berechtigt. Die Art, mit der ihr hier begegnet wurde, nahm den Wind aus den Segeln und zeigte die Souveränität der Orga. Ich habe die Schlacht nur am Sonntag mitverfolgen können, und da sah alles gut aus. Von anderen VAs kenn ich sog. „Schlachten“ mit 15 Mann auf jeder Seite! Da war hier unter den Burgmauern wesentlich mehr auf den Beinen. Die neu errichtete Mine erntete viel Bewunderung. Die Mineure wuchsen über sich hinaus – Holger als hinkendes Schlamm-Monster war eine Augenweide! Eine Einführung in die Szenerie vor Beginn der Handlungen oder unmittelbar begleitend wäre für den normalen Besucher hilfreich. Die Aufmerksamkeit könnte direkt auf die Akteure gelenkt werden.
Die Fieranten-Auswahl war in Ordnung – kein Billigkrempel dabei, und für die Darsteller gute Einkaufsmöglichkeiten (leider, wenn ich an meinen Geldbeutel denke). Unsere Mädels haben bemängelt, dass es kein Mitmach-Handwerk gab. Letztes Jahr war, glaub ich, ein Kerzenzieher da. Vielleicht könnte das den Marktwert noch steigern (ich weiß von einer Mitmach-Schmiede, einem Löffelschnitzer, einem Drechsler und anderen, die das Publikum einspannen).
Ein Punkt, der auf vielen Märkten meist negativ auffällt, ist die Musik. Muss denn wirklich zwei Tage lang Corvus-Corax-Verschnitt georgelt werden? Diese Musik kommt an, klar. Aber diejenigen, die dort lagern, hören zwei Tage lang immer dasselbe. Wie wäre es mit verschiedenen Stilrichtungen, die sich (halb-)tageweise abwechseln? Auch tiefgründigere Musik wie z. B. von Faun, oder Spelunkenlieder oder authentischere Musik (z.B. von Musica Vulgaris) haben ihre Anhänger!
Viel diskutiert wurde der „Platz-Beitrag“ von 7 €, jedoch nicht beim FFC. Wir Darsteller ermöglichen dem Veranstalter ja erst seine Veranstaltung, wir bekommen nicht einmal Gage. Aber: Wo sonst kann ich eine Woche vorher schon lagern, habe Toiletten und Stroh vor Ort und kann meinen Müll direkt entsorgen? Aus Sicht des Veranstalters würde die Bereitstellung der Infrastruktur am Freitag Abend auch reichen. Mir ist es das wert. Aber vielleicht springt ja aus diesen Einnahmen mal ein „Dankeschön-Mede“ raus?
Alles in allem war Herzberg wieder schön und das FFC-Lager war das Schönste! Viele vertraute Gesichter, aber auch neue. Neue Bekanntschaften und für mich einige Einsichten, die ich hoffentlich in „Wilhaim 1010“ verwerten kann. Danke an die Orga, dass Ihr das alles auf Euch nehmt! Und das mit dem Toilettenpapier bekommt Ihr auch noch hin, und dann reicht‘s auch für die, die Ihren Sch… unqualifiziert zum Besten geben müssen…
Bericht von Cutani